Spannende Frage No° 1 Woran erkennt man einen guten Friseur?

Liebe Leute, um mich hier nicht gleich allzu weit aus dem Fenster zu lehnen und daraufhin mit negativen Kommentaren beschossen zu werden, möchte ich hier ausdrücklich darauf hinweisen, dass die von mir beschriebenen Ansichten natürlich nur meine eigene Meinung ausdrücken!

Also was macht denn nun einen guten Friseur aus?
Gehen wir mal ein wenig chronologisch vor!

Außenauftritt und Internetpräsenz

Guter Friseur? Schlechter Friseur? Ja woher soll man das wissen?

Guter Friseur? Schlechter Friseur? Ja woher soll man das wissen?

Als aller erstes, wie finde ich denn nun einen guten Friseur!?

Nach der persönlichen Empfehlung, ist heute das Internet eine der wichtigsten Entscheidungshilfen geworden! Seitdem aber die größte, sowie bekannteste deutsche Bewertungsplattform “Qype” durch den amerikanischen Konzern “Yelp” übernommen wurde, kann man auf diese Bewertungsplattform nur noch wenig geben, da Yelp völlig legitime Bewertungen einfach wegfiltert, nur weil diese nicht von Yelp-Power Usern erstellt wurden! Hier kann man dann nur den Rat geben, bei Yelp in den Filter zu schauen!

Aber auch andere Bewertungsplattformen sind nur bedingt geeignet, sich ein wirklich stimmiges Bild zu machen!

Eine professionelle Internetseite ist zumindest ein Indiz, dass ein Friseur sich über seine Außendarstellung positive Gedanken macht! Aber auch hier gibt es wirklich wenige, die eine wirklich professionelle Seite haben, das liegt vielleicht auch am lieben Geld?

Preisgefüge und Mitarbeitermotivation

Für mich ganz klar, mit billigen Preisen wird es durchaus schwierig eine vernünftige Qualität zu generieren!
Denn in einem Friseurgeschäft wo wenig (oft viel zu wenig) für eine Dienstleistung veranschlagt wird, sind die Mitarbeiter in der Regel auch nicht unbedingt gut bezahlt und somit äußerst selten hoch motiviert!
Auch spielt das Thema “Zeit” eine sehr große Rolle, denn für wenig Knete, hat man natürlich auch sehr wenig Zeit! Schlimm ist auch, viele Friseure haben betriebswirtschaftlich einfach keinen Plan! Da werden Preise nicht kalkuliert, sondern irgendwie fantasiemäßig angesetzt, oder bei der direkten Konkurrenz abgeluschert!
Das führt dann natürlich zu dem großen Problem, dass sich viele komplett unter Wert verkaufen, oder bei zu billigen Preisen ein völlig falsches Zeitmanagement haben! Sich trotz billiger Preise ausführlich mit dem Kunden zu beschäftigen geht nicht! Beschäftigt sich der Friseur dann doch ausgiebig mit dem Kunden, kann man sich sicher sein, dies wird auf Dauer nicht gut gehen!
Auch Fort- und Weiterbildungen kosten viel Geld und es wird mit billigen/günstigen Preisen natürlich auch nicht leichter verdient!
Auch habe ich Euch in meinem letzten Post vorgerechnet, welchen Einfluss die Produktqualität auf die Qualität der Dienstleistung, dem Schutz der Haare, aber auch auf den Preis hat!

Das Zeitthema bleibt heikel!

Wenn wir einen Neukunden eintragen, wird automatisch immer ein großzügigeres Zeitfenster eingeplant!
Hier fängt die eigentliche Sichtung nach der Güte des Stylisten an!
Besonders bei der Farb- und Schnittberatung sollte der Friseur nicht nur ihre Wünsche erfüllen, sondern ihnen die richtige Farbe, nach ihrem Farbtypen empfehlen! Aber auch beim Haarschnitt ist es überaus wichtig sich mit dem Kunden, seiner Gesichtsform, dem Haar und der Haarqualität, aber auch mit den Styling und Pflegegewohnheiten auseinander zu setzen!

Hier spielt natürlich eine entscheidende Rolle, ob sich der Friseur überhaupt genügend Zeit nimmt und Ihnen auch aufmerksam zuhört! Natürlich ist ein aufwendig geschnittener Haarschnitt immer sehr viel zeitaufwendiger! Bei uns wird in der Regel nass geschnitten, dann geföhnt/geglättet und im trockenen Zustand kommt erst die Feinarbeit (personalisieren) des Haarschnitts, Übergänge nachbereiten, Proportionen perfektionieren, denn erst im trockenen sehe ich die wahre Struktur und den echten Fall der Haare!
Denn nasse Haare lügen, erst wenn sie trocken sind, fallen die Haare so wie sie es auch wirklich tun!

Fachwissen und Fachkompetenzen

Ob der Frisur nun über ausreichendes Fachwissen oder Können verfügt, dies ist natürlich für sie als Kunde, erst einmal nicht klar zu erkennen! Aber hier lassen Sie sich einfach von Ihrem Bauchgefühl leiten! Wenn der Friseur sie in die vier Jahreszeiten einordnet um ihren Farbtypen zu bestimmen, ist dies zumindest ein Indiz das dieser Mensch schon länger nicht mehr auf einem Farb- und Typberatungs- Seminar war! Denn die vier Jahreszeiten gelten schon etwas länger als gescheitert, sind aber zumindest nicht die perfekte Art einen Farbtypen zu analysieren! Denn hier werden Menschen in Schubladen gestopft und der Spielraum sich zu verändern ist deutlich begrenzt! Auch stimmen die Farbbestimmungen nicht immer überein, es werden völlig unrealistisch dem Menschen Farben verboten, die ihm bei genauer Betrachtung durchaus stehen könnten! Sicherlich, der eine oder andere wird auch durch die vier Jahreszeiten eine ordentliche Typberatung machen… ob das dann noch zeitgemäß ist…?

Kompetenz Erfahrung Arbeit TagCloud Wörter grafikMan kann aber auch mit gezielten Fragen heraus kitzeln ob der Stylist ein wenig über sein Handwerk Bescheid weiß! Gut ist es, sich seine Meinung immer begründen zu lassen!

Am besten viele W-Fragen stellen… Was, Wieso, Wie, Warum, Weshalb, Wohin, Wie viel, sollte es daraufhin zu Stottern, Stammeln oder gar Schweißausbrüchen kommen, wissen Sie Bescheid!

Beratungs- und Handlungskompetenzen

Dann gibt es da natürlich schon bei der Begrüßung sowie beim eigentlichen Beratungsgespräch ausreichende Möglichkeiten was man als Friseur so alles falsch machen kann!

 

Immer wieder gern gesehen, der Friseur steht hinter Ihnen und redet nur über den Spiegel!? Dann grabscht er ihnen noch ungefragt ins Haar und wuschelt während des Gesprächs unkontrolliert drin rum!?

Prima!

Ein für mich professionelles Beratungsgespräch gehört im Sitzen, in gleicher Augenhöhe und natürlich frage ich den Kunden bevor ich seine Haare anfasse!
Irgendwann lässt sich das über dem Spiegel reden nicht mehr verhindern, aber besonders beim Erstkontakt gehört es sich, das man sich als allererstes vorstellt und einen vernünftigen Augenkontakt herstellt! Und klar sollte ein Friseur erst einmal richtig zuhören können und nicht den Kunden in Grund und Boden labern!

Einordnung

Nun fängt der Friseur an und macht Vorschläge, gibt Anregungen versucht zu helfen!
Schön wenn er es denn macht!
Aber ein guter Friseur sollte seine Meinung stets auch begründen können, es hilf nicht viel wenn dieser ihnen irgendwelche Vorschläge macht, sie aber im Dunkeln lässt, was ihnen diese Veränderungen bringen werden! Auch ganz wichtig, ein Friseur der nur ihre Wünsche erfüllt und ihnen aber nicht ehrlich und direkt seine Meinung kund tut, ist zu keiner Beratung zu gebrauchen!

Quälen sie Ihn, fragen sie ihn Löcher in den Bauch. Es ist völlig legitim sich alles durch Fragen bestätigen zu lassen! Ein guter Friseur wird schon von sich aus bereit sein, seine Meinungen und Ansichten auch erklären zu wollen/können!

Es ist immer wieder schön zu sehen, wie man viele Menschen mit der einfachen Frage… WARUM? in Stress versetzten kann!

„Warum?“ ist auch meine Lieblingsfrage an meine Azubis!
Es gibt keinen besseren Wecker!

Kundenwunsch

Nicht immer entspricht der Wunsch des Kunden, eine real zu erreichende Möglichkeit! Manche Kundenwünsche sind einfach nicht zu erfüllen, oder z.B. nur wenn man damit die Haare zerstört!
Das muss ein guter Friseur erkennen und dementsprechend ehrlich und sicher kommunizieren und im Zweifel auch entschieden ablehnen!
Seien Sie nicht böse, wenn der Friseur eine Behandlung ablehnt, denn womöglich rettet er ihnen damit ihre Haare!
Willigt der Friseur aber ohne längere Gedanken ein, bereitwillig jede Art von Haarmord umzusetzen, dann können sie sich vorstellen, der will einmal an ihnen, schnell viel Geld verdienen!

Zum Ende

Gibt Ihnen der Stylist auch Tipps, wie sie Ihre Haare zu Hause in den Griff bekommen?

Nein?

Schmiert er Ihnen ungefragt einfach irgendetwas in die Haare, ohne ihnen zu erklären, was es ist, wieso genau das und was genau sie davon haben?

Die meisten Friseurstühle lassen sich drehen, drehen Sie sich um und treten sie ihm kräftig ans Schienbein!

Einige Stylisten sind anscheinend so introvertiert, dass sie sich ganz einfach nicht äußern können, aber seien Sie sich sicher, ein kräftiger Tritt ans Bein heilt diese Einschränkung umgehend!  🙂

Lassen Sie sich nicht einfach irgendetwas in die Haare schmieren!
Es ist Ihr Kopf und es sind Ihre Haare!

Stop!! Was ist das? Was soll das bringen?” Und viele weitere W-Fragen!

Spätestens jetzt ist er endlich wach und wird Ihnen alles haarfein und brav erklären, ansonsten hilft ein Kick in den Allerwertesten falls das mit dem Schienbein nicht gereicht hat!

Auch die Produktqualität, ist für sie als Kunde durchaus wichtig!

Die meisten Anbieter der ach so tollen und unverschämt teuren friseurexklusiven Produkte findet man in etlichen Webshops.
Friseur-Exklusivität verkommt immer mehr zu einer Floskel!
Inhaltsstoffe wie sie in Spüli und Meister Proper und in jedem herkömmlichen Industriereiniger zu finden sind (dort zum Teil sogar verboten werden), sind leider in den meisten teuren Friseurshampoos enthalten! SLS oder SLES (Sudiom Lauryt, oder Laureth Sulfat) ist eine ziemlich verschriene Tensidart und fliegt bei mir gerade nach und nach aus den Regalen! Aber auch Prabene und PEG´s finde ich überhaupt nicht witzig und auch der immer mehr verbreitete Einsatz von Formaldehyd als billiges, aber krebserregendes Konservierungsmittel finde ich alles andere als lustig! Übrigens ich bin kein Feind von hochwertigen Silikonen, die als Hilfsstoffe durchaus gute Eigenschaften haben… aber wenn dann in dem tollen Haaröl dieses an erster stelle steht und das Arganöl dann irgendwo unter ferner Liefen, dann ist das eher uncool… und ich frage mich was 3% eines Öls, der Rest Chemie, ein Produkt so unglaublich teuer macht!?

Aber auch die Mentalität, vieler geldgierigen Friseurzulieferer, ihre Produkte im Internet verramschen zu lassen, macht mich immer nachdenklicher!
(und mein Geschäft immer schwieriger)

Ich glaube es wird Zeit für eine faire, nachhaltige und bezahlbare Produktlinie, die uns Friseure nicht in den Ruin treibt, Partnerschaft nicht nur vorgaukelt sondern auch wirklich betreibt! Ihr wisst, ich stehe auf Win-Win-Geschäfte! Warum machen wir daraus kein Win-Win²?

„Kosmetikfirma-Friseur-Mitarbeiter und Kunde!“

Auch wenn dieser Aspekt, natürlich weniger Aussagekraft auf die Güte des Friseurs hat, zeigt es ob ihr Friseur sich dusselig, wie viele tausend andere Lämmer, von diesen arroganten Konzernen zur Schlachtbank führen lässt!

By |2018-02-19T23:04:08+01:0011. März 2015|Allgemeines, Tipps & Tricks|10 Kommentare

About the Author:

Friseurmeister und Inhaber des Friseursalons Haarchitektur in Lüneburg. Dozent und Prüfer in der Meisterschule der Handwerkskammer Lüneburg (Braunschweig-Lüneburg-Stade). Fachautor, Social Media Experte unabhängiger Fachtrainer, Choach & Berater, Seminarleiter für die Beautybranche.

10 Comments

  1. T.J.W Fechner 2. März 2016 um 8:09 - Antworten

    Sehr gut und sehr ausführlich beschrieben !!! Gute Reihenfolge, die einzelnen Punkte gut dargestellt…für mich als Stylist nochmal gut um zu sehen, was ich so mache 🙂 Mehr von solchem….

    • Christian Funk 2. März 2016 um 8:36 - Antworten

      Vielen Dank für Ihr Lob! 🙂

    • Eva 2. März 2016 um 8:58 - Antworten

      Sehr guter Artikel. kann ich alles zu 99% bejaen.
      Aber wenn ein Kunde zu mir ins Geschäft kommt, dann setzte ich voraus, dass er einverstanden ist, dass ich seine Haare anfassen werde. :))

      • Christian Funk 2. März 2016 um 9:18 - Antworten

        Naja… es gibt so ein gebot der Höflichkeit… 😉 Aber eigentlich geht es auch darum, das einige Friseure während der Beratung ununterbrochen im Haar des Kunden rumrühren! 🙂

        Ich habe es mir angewohnt, den Kunden zu fragen und das kommt immer sehr gut an!

        Aber sicherlich ist das jetzt nicht unbedingt das Hauptkriterium um einen schlechten Friseur zu entlarven! 😉

  2. Regine Tischler 13. Juli 2016 um 10:30 - Antworten

    Wo ist das Problem “Darf ich…?” zu sagen, bevor ich jemanden in die Haare greife?
    Ein Dreijähriger Junge hat mir das beigebracht, voll süß, blonde Locken, neugierige Augen.
    Ich hab ihm im Vorbeigehen einmal kurz durch die Locken gewuschelt, er blieb stehen und sagte:
    “WIESO greifst du mir jetzt auf meine Haare.”
    ……………….

  3. Sarah 20. Juni 2019 um 15:30 - Antworten

    Hey, also erstmal wow sehr ausführliche Beschreibung!
    Habe mich gestern bei einem Frisör mit sogar sehr guten Rezensionen beraten lassen (lebe jetzt wieder in einer ganz anderen Stadt, Mönchengladbach) und was soll ich sagen: ICH BIN NACH WIE VOR SKEPTISCH 😅
    Bald bin ich Mutter von 2 Kindern und habe keine Zeit und Geld um ständig nach zu blondieren sei es mit Glossing, Balayage etc. und vorher ging ich 2x mal im Jahr um schön Blond zu bleiben. Ich bin von Natur aus dunkelbraun und habe eine helle Haut. Mir stand schon immer blond, habe aber seit 2 Jahre nichts gemacht und ist rausgewachsen. Jetzt gehe ich ins natürliche zurück, denn ich widme lieber das Geld und die Zeit meinen Kindern.🤗

    Lange Rede kurzer Sinn: ich habe 2 Vorstellungen und die habe ich der Dame präsentiert. Entweder wie Ombré sanfter Übergang von meinen natürlichen Haaren zum unteren Blond oder komplett einheitlich dunkel färben, dass es meinen natürlichen Ton entspricht.
    Bei diesem Gespräch ging es ihr ausschließlich um Zeit, jedesmal erwähnte sie, wie viel Zeit diese Arbeit in Anspruch nehmen wird und zeitlich wäre das einheitliche besser, weil dann auch andere Kunden da sind zum schneiden etc. und ich müsste mir aussuchen was ich will… Eehhh?! Was redet die da? 😂

    Preislich habe ich dann auch zum Schluss gefragt wie sich das zusammen setzt (habe dabei die Preisliste in der Hand), sie schaute nicht darauf und überlegte und meinte 100 € plus minus kann ich damit rechnen. Hä? Ja aber wie?

    Also ich weiß nicht aber sowas hatte ich bisher noch nie… Ist das jetzt ein guter Frisör?

    Leider ist mein üblicher Frisör fast 600 km entfernt und da hatte ich damals sofort das Gefühl gehabt ok Zauber einfach was, ich vertraue dir, dass du es drauf hast!

    Liebe Grüße 😊

    • Christian Funk 11. Juli 2019 um 9:21 - Antworten

      Hallo Sarah, ob die Dame fachlich gut ist, kann ich, nur auf Grund Deiner Beschreibung, nicht unbedingt beurteilen – sicher ist, dass sie sich bei dem Gespräch ein wenig ungeschickt verhalten hat!
      Aber wir Friseure sind auch nur Menschen, wir haben schlechte Tage und wir reagieren auf Menschen, das Ganze ist immer auch ein Zwischenspiel!

      Beispiel, eine Freundin streitet sich immer mit ihrem Vater am Telefon – ruft er an, wartet sie schon drauf, dass man sich streitet! Ihre Stimme ihre Art zu reden ist schon kiebig und hat einen giftigen Unterton. Der Papa, reagiert darauf und ist schon ganz angespannt, wenn er seine geliebte Tochter anrufen “muss” und reagiert gereizt und angefressen, schon auf die kleinste Regung! Am Ende kommt es wie es kommen muss – Streit!
      Nun hatte sie die kluge Idee, einfach mal total lieb, freundlich und humorvoll auf den Anruf zu reagieren und als erstes zu sagen, wie sehr man sich freut das Papa anruft! (ich konnte dem Gespräch durch Zufall teilhaben) Swupps – hatte sie ein total nettes Gespräch mit ihrem Vater, der auf Grund ihrer Freundlichkeit gelöst und im Laufe des Gesprächs, auch immer freundlicher wurde!

      Ich höre aus Deinem Text heraus, dass Du Angst vor Kosten hast, da Du wegen Deiner privaten Situation nicht mehr so viel Geld für Deine Haare ausgeben kannst! Mit dieser Angst und Aussage bist Du auch gleich auf den Friseur losgegangen, der dann leider sehr ungeschickt in den Raum gestellt hat, dass diese Arbeiten alle samt Zeit kosten und diese Zeit wird Geld kosten!

      Wir Friseure sind es immer mehr gewohnt, dass wir uns für unsere (gemessen an andere Handwerker) lächerlichen Preise, auch noch rechtfertigen müssen! Kommt ein Kunde, der sagt, dass er nicht viel ausgeben kann – haben wir gleich wieder Angst vor unliebsamen Diskussionen! Denn eigentlich sind wir ja eh schon zu billig und können nur schlecht von unserer Arbeit leben und noch schlechter unsere Mitarbeiter bezahlen (weswegen wir ja keine mehr bekommen) und müssen dies kompensieren, in dem wir im Akkord Arbeiten und müssen so auch sicherstellen, dass wir zwischen der Einwirkzeit, unbedingt noch einen Kunden zwischen packen können! (das war die Aussage der Kollegin)

      So nun zurück zu Deinem Problem – Du denkst Dir – What? Was geht mich der ganze Kram an – ich will die Haare so schön wie möglich haben!?

      Der Friseur hört nur – Ich will meine Haare schön – ABER DAS DARF VERDAMMT NOCH MAL NICHT VIEL KOSTEN!!

      Anstatt Dir das Beste zu bieten und gut zu beraten und Dir dann einfach zu sagen, was es kostet, erzählt sie Dir Dinge die Du gar nicht hören willst und die Dich am Ende auch nicht wirklich interessieren!
      Am Ende habt ihr aber nur aufeinander reagiert und Euch Euer Leben gegenseitig schwer gemacht, anstatt vernünftig mit einander zu reden, was für Dich das beste ist und dich dementsprechend zu beraten und verdammt noch mal zu seinen Preisen zu stehen und nicht erklären warum das alles so lange dauert und als Kunde einfach nicht immer nur auf Geld zu gucken, sondern mal realistisch nachzudenken, was man alles woanders für Geld bezahlt – sollte man mal „VERNÜNFTIG“ miteinander reden!

      Ich wünsche Dir viel Glück bei Deinem nächsten Versuch!

  4. Juan 16. August 2019 um 22:49 - Antworten

    Hallo Herrn Funk !

    Danke vielmals fürr den Text.

    Ich bin vom einem kleinen Dorf in eine grössere Stadt umgezogen. Habe schon jedliche Friseure ausprobiert. Bis ich eines Tages bei einem neuen Friseur war. Die wo dort arbeiten sind sehr jung so 26. In der Seite steht gar nicht mit Termin vereinbaren. https://www.friseur-elly.de/ Sie hat mich dann genohmen weil ein Kunde abgesagt hatte. Ich zeigte ihr ein Foto mit eine Frisur. Komisch ist dass wo ich früher gewohnt habe hat die Friseurin dass die Frisur zu mir gut passt. Ich bin Spanier und habe sehr glatte und dickes Haar. Sie fragte mir was ich so benutzte zum stylen, dass komische war, ich sagte ihr was ich benutze . und am schluss fragte Sie mir ob ich wass möchte . Obwohl in der Seite in der Preisliste mit eingerechnet ist Schneiden und Stylen. Schauen Sie Herrn Funk wie verstehen Sie dass ganz oben Steht unter Mr. Weil sowas kam nicht im Vorschein wurde nicht gemacht.. Dann frage ich mich warum Sie frägt. was ich drauf haben möchte . Und am Schluss benutzte Sie eine Art paste wax und sagte ich mache dir dass es so nach oben seitlich läuft wie ein undercut. aber ich kam raus und schon war die Frisur platt.

  5. Karla Pfenning 18. Januar 2020 um 20:43 - Antworten

    Hallo, sehr aussagekräftiger Bericht .Warum gibt es soooo wenig gute Friseure? Geht es auch da nur ums Geld. Ich verzweifle mittlerweile auch an dem Können der Friseure. War gerade gestern zum schneiden, volle Enttäuschung( habe einen neuen ausprobiert) Seiten unterschiedlich lang, Nacken sieht schief aus, könnte heulen. Ich tingel momentan von einem Friseur zum anderen, finde einfach keinen der gut und präzise schneidet. Ich lege sehr großen Wert auf einen akkuraten Schnitt. Warum sieht der Friseur nicht, dass der Schnitt nicht stimmt. Das Finish im trockenen, fertigen Schnitt habe ich noch nie !!!! erlebt. Wie finde ich endlich einen Friseur dem ich vertrauen kann.?

    Lg
    K.Pfenning

    • Christian Funk 26. Februar 2020 um 14:43 - Antworten

      Liebe Frau Pfennig, seit Jahrzehnten wird der Friseurberuf nicht geschätzt – junge Menschen, die den Beruf ausüben wollen, werden belächelt und hören sich von ihren Eltern und Lehren an, das sie doch lieber etwas „vernünftiges“ lernen sollten! Schon ich wurde von Freunden und Mitschülern für meinen Berufswunsch gehänselt – weil ich „Fritteuse“ werden wollte und das ist nun schon – 32 Jahre her – heute ist die gesamte Situation noch viel krasser! Warum ist das so?
      Friseure sind nahezu die einzigen Handwerker – die gleichzeitig – Künstler und Dienstleister sind – und die deswegen seit Jahrzehnten ihre Arbeit weit unter dem Wert anderer ehrbarer Handwerksberufe anbieten!
      Jeder beispielsweise Tischler, Maurer, Automechaniker nimmt z.T. das dreifache – aber mehr als das doppelte (plus Material) ist eigentlich die mindestens Regel! Das führt dazu, das natürlich die Friseurmitarbeiter traditionell auch schlecht bezahlt sind!
      Heute kann sich kaum ein Handwerker leisten, seine Mitarbeiter unter 20€ p. Std. zu entlohnen – die Auftragsbücher sind voll und es herrscht Fachkräftemangel! Friseure verdienen heute im Schnitt ca. 10€ und der Lohnkostensatz ist bei 45-50% bei weitem viel höher als in anderen Handwerksberufen! (höchstens 20%)
      Warum das so ist?
      Weil wir Friseure zu 90% reine Handarbeit leisten müssen – es gibt keine Maschine, die selbstständig Haare – schneiden – föhnen oder färben kann!
      Die schlechten Preise haben auch immer weiter dazu geführt, dass die Arbeiten immer schneller und liebloser ausgeführt werden müssen – auch die Ausbildung ist dabei komplett den Bach runter gegangen!
      Viele Dumpingbetriebe haben ihre Azubis zum Schnellschneidekurs geschickt und dort lernten sie dann mit Maschine und Aufsatz möglichst schnell zu sägen – mehr als gerade das, was sie für die Prüfung brauchen – werden sie kaum erlernen!
      Aber auch in anderen Unternehmen ist kein Geld vorhanden um „gut“ auszubilden und um den Fachkräften Fort – und Weiterbildung zu gewähren. So ist die allgemeine Quote gut geschulter Mitarbeiter unglaublich gering – ich selbst stelle nur noch Mitarbeiter ein, die ich selbst ausbilde.
      Heute will aber kaum ein Schwein mehr diesen Beruf erlernen – und die, die ihn einmal erlernt haben wollen entweder nicht mehr in diesem Beruf arbeiten – oder machen sich als „Mobile Friseure“ im Reisegewerbe selbstständig und arbeiten mit einem Jahresumsatz von unter 22 000€ steuerfrei der Altersarmut entgegen!
      Die Altersarmut würde sie natürlich auch als Angestellte ereilen – aber so haben sie dann inoffiziell wenigstens mehr Geld zum Leben zur Verfügung – denn alles was sie über 22 000€ umsetzten geben diese Kollegen gar nicht erst an!
      Wie schaut es sonst am deutschen Friseurmarkt aus?
      Friseursalons an jeder Ecke, zu immer günstigeren Preisen – Barbershops die nur durch Clanstrukturen entstehen und eigentlich den Zweck der Geldwäsche dienen – bieten Haarschnitte günstiger als den Döner vom gleichen Unternehmer!
      Friseursalons – die verzweifelt mit billigen Preisen gegen die überbordende Konkurrenz steuern – die dann natürlich auch billige Mitarbeiter suchen und dann meistens allein als Einzelkämpfer mit einem „offiziellen“ Einkommen unter dem Hartz 4 Satz, vor sich hin schnibbeln!
      Die, die noch eine Billigkraft für um die 10€ gefunden haben – die krebsen am Rande des Existenzminimums rum und haben mit diesen billigen Damen und Herren natürlich keine Topfriseure die hochmotiviert ihre Arbeit mit Liebe, Begeisterung und Freude erarbeiten – sondern i.d.R. schlecht ausgebildet, im Akkord für Stundensätze um die 30€ möglichst schnell ackern müssen!
      Der größte Teil der Friseurunternehmen sind mit ihrem Umsatz und dem dadurch erreichbaren Gewinn eigentlich „offiziell“ gar nicht Überlebensfähig – jeder Unternehmer der unter 100 000€ Nettoumsatz verbucht, hat mit höchstens 20% Gewinn – nur 20000€ pro Jahr vor Steuern verdient!
      Teilen wir das mal durch 12 Monate – bleiben 1666€ übrig – davon müssen wir noch mindestens 12% Einkommenssteuer abziehen bleiben 1466€ (weniger als der Mindestlohn) zum Leben – für Rücklagen – für Liquidität – Altersvorsorge und Krankenversicherung – das sind Werte die einfach vollkommen krank und abstrus sind und so niemals zu einem gesunden und fröhlichen Berufsbild führen können! Das hier im großen Stil manipuliert wird – liegt natürlich auf der Hand – was uns nun auch die Kassenbonpflicht beschert hat!
      Warum sich Friseure dies antun – fragen sie sich gerade?
      Weil wir unseren verdammten Job lieben – wir lieben es Kunden zu beraten und glücklich zu machen und wir lieben es, nicht an einem toten Stück zu arbeiten – sondern am Menschen und machen wir diesen Menschen glücklich – dann gehen wir auch glücklich und zufrieden nach Hause!
      Das macht süchtig – so sind wir also Glücksjunkies – die diesem Kick hinterher hecheln und leben freiwillig an der Armutsgrenze nur um dieses Glück zu erleben! Nur genau wie ein Drogenjunkie werden wir in dem was wir so tun nicht besser – sondern wegen unserer zittrigen Finger und dem Druck immer schlechter!
      Nun zu ihrer Frage – wie und wo finde ich einen guten Friseur…
      Zurzeit sind ca. 86 000 Friseursalons erfasst – davon sind 10% sogenannte Barber, (meistens südländischer Herkunft) mindestens 10% Großfilialbetriebe, mindestens 30% der Friseurbetriebe sind jene die unter 22 000€ Jahresumsatz liegen, weitere 35% liegen unter 50 000€ Umsatz und wie viele dann noch unter 100 000€ liegen kann ich gar nicht beurteilen.
      Ziehen wir also von den 86000 Salons die 85% ab – bleiben 12900 Friseursalons übrig – von denen wir jetzt einfach mal 10% ( das könnte sogar noch zu wenig sein) Kollegen abziehen, die auch noch unter der 100 000€ Schallmauer liegen, dann landen wir bei mageren 4300 Salons (5%) die offiziell von ihrer Selbstständigkeit einigermaßen Leben können und auch ihren Mitarbeitern ein lebenswertes Auskommen bieten.
      40% von ca. 80 Millionen Deutschen gehen offiziell zum Friseur – das heißt das 32 Millionen Kunden – hätten sie alle den Wunsch nach einem wirklich guten Friseur – müssten sich um 4300 Salons kloppen! 😊
      Nun – ich will jetzt nicht behaupten, dass sie nur in diesen 5% der Friseursalons einen adäquaten Haarschnitt bekommen – ganz sicher gibt es den einen oder anderen tollen und talentierten Kollegen in einem billigeren Salon tätig ist – aber die Wahrscheinlichkeit das sie dort eine glückliche und motivierte Arbeitsfachkraft vorgesetzt bekommen, die ihren Beruf als Berufung und wirklich mit Begeisterung und Freude ausführt – wird deutlich höher sein – als in all den anderen Salons!
      Ein Kollege in einer Friseurgruppe auf Facebook schrieb in einer Diskussion, das Preise im Gro anpassen der Branche niemals funktionieren könne – man müsse sich den Marktbegebenheiten anpassen!
      Da stelle ich mir dann aber die Frage – in wie fern man sich an diese Begebenheiten noch anpassen sollte?

      Die einzige sinnvolle Möglichkeit, diese Wucherungen zu überwinden ist seine Arbeit so qualitativ hochwertig wie möglich anzubieten und dafür dann auch einen angemessenen Preis zu verlangen und seine Mitarbeiter mit angemessenen Löhnen für diese tolle Arbeit zu ent- und belohnen!
      Also bei der Suche nach einem adäquaten Friseur für Ihre Haare begeben sie sich auf die Suche nach der Nadel im Heuhaufen – aber diese Nadeln erzählen auf ihren Webseiten, dass sie Qualität bieten – das sie ihre Mitarbeiter gut entlohnen und das sie nicht zu den 95% am Marktdurchschnitt gehören – das macht die Suche dann vielleicht doch deutlich einfacher!

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