Null Bock auf Ausbildung? Alles Mumpitz!!

Suchen wir einen neuen Azubi, wird´s oft richtig spannend, denn auf dem Ausbildungsmarkt tümmeln sich hier nur noch dumme und nutzlose Kröten mit

Tatsächlich... alle null Bock?

Tatsächlich… alle null Bock?

der “Null Bock” Einstellung!

So oder so ähnlich höre ich es immer wieder von meinen Kollegen klingen!

Aber wie sieht das aus mit dem Ausbildungssystem in Deutschland?

Bisher hatten wir weltweit betrachtet, eines der besten Ausbildungssysteme der Welt, das so genannte Duale-Ausbildungssystem, hat nichts mit Abfall zu tun, sondern bedeutet, dass die Auszubildenden neben der Berufsschule in erster Linie in den Betrieben ausgebildet werden! Dies hat sich in vielen Jahren als besonders effektiv durchgesetzt und langfristig dazu geführt, dass in Deutschland die geringste Jugendarbeitslosigkeit in Europa und die am besten ausgebildeten Handwerker gibt!

Aber was in dem einen oder anderen Gewerk, recht gut klappt, wird im Friseurhandwerk langsam immer schwieriger! Schon zu meiner Azubizeit, wurde in den Berufsberatungen des Arbeitsamtes jungen Menschen, die keine so guten Schulnoten hatten, der Friseurberuf angeraten. Denn hier muss man nicht besonders schlau sein! Dies förderte natürlich fleißig das Klischee der dummen Frisöse!Handwerk (Handwerker, Gewerbe, Stellenangebot)

Dass es bei weiten viel höhere Ansprüche in diesem Beruf gibt, wird dann spätestens klar, wenn diese Menschen nach ihrer Ausbildung in den Seelenverkäuferläden in Akkord ausgebeutet werden und hierfür nicht einmal genug zu Leben bekommen! Denn wie ich schon in anderen Beiträgen schrieb, für ein Topgehalt muss auch ein Topumsatz und dafür muss ein Topfriseur her! Und dieser hat in der Regel, nicht den IQ von Knäckebrot!

Schau ich mich bei den Frisuergruppen auf Facebook um, wird schon jetzt mit massiven Nachwuchssorgen gekämpft, obwohl der demographische Wandel “noch” gar nicht da ist!  Das ist erschreckend, denn dies ist auch ein klares Zeichen unseres Imageverlustes und die Qualität der Lehrwilligen nimmt immer weiter ab!

Aber jetzt mal Hand auf´s Herz… wenn man sich mal fern ab von seinem natürlich total geilen Laden positioniert und vergisst, das man diesen Beruf selbst, entweder schon hasst oder vielleicht auch mit Liebe bestreitet, hört man sich um, wie es aus der Branche klingt, hätte irgendwer noch Lust auf diesen Beruf?

In der Top Ten der Ausbildungsberufe, wo der Friseurberuf immer besonders weit oben bei den Mädels war, ist dieser schöne Beruf gar nicht mehr aufgeführt… klar, ALLE Friseure verdienen ja auch richtig schlecht und sowieso da MUSS ja jeder dann in 10€ Läden buckeln…

Schau ich wieder einmal  in die Friseurgruppen bei Facebook, Missgunst, Hetzte und Unfreundlichkeiten! In jedem Thread mindestens ein Idiot, der in übelster Form sein Ego vor sich her trägt und völlig niveaulose, selten dämliche  Kommentare in fürchterlichem Deutsch von sich gibt, das ist natürlich Werbung für unser Beruf! Das ganze hat sich durch gute Arbeit der Gruppen-Admins (ich klopfe mal eben mir selbst mit auf die Schulter 😉 ) deutlich verbessert, aber immer noch finde ich viele Aussagen so mancher Personen eher abschreckend!

Dann noch immer wieder gern gehört,   … die schlimme “Jugend” von heute!

Die auch so schlimme Jugend...?

Die auch so schlimme Jugend…?

Bei solchen Sätzen bekomme ich stets das kalte Würgen, die Jugend von heute ist kein Deut schlechter als die von früher, nur halt “anderes”! Und Idioten hat es auch früher schon reichlich gegeben!

Und sollte dann wirklich mal jemand “schlechter, schlimmer oder was auch immer” sein, dann liegt dies für mich, an den belämmerten Eltern (damals null Bock Generation), die eben diesem Kind nur Grütze vermitteln!

Es ist bekannt, das die Kinder und Jugend von Heute oft ohne klare Strukturen aufwachsen! Eltern sind immer mehr beste Freunde, klare Regeln, Strukturen und eine saubere Grenze wird immer weniger sichtbar! Die vielen Einzelkinder sind zuhause die Stars und die Welt dreht sich ausschließlich um sie! Pflichten und Aufgaben sind kaum zu erledigen! Kommen sie dann mit einem mal in das Berufsleben, hier sind sie dann einer von vielen und es herrscht keine Demokratie und Kuschelkurs! Hier werden Ansagen gemacht und wenn man was nicht richtig, gut oder zu langsam macht, dann bekommt man das unter Umständen auch sehr deutlich mitgeteilt! Hier empfinden die armen Kinder dann eine deutliche Zurechtweisung als Anschreien oder schlimmstes Zusammenstauchen! Hierauf muss man einfach reagieren und die jungen Menschen anders anpacken, mehr reden ihnen tatsächlich mehr Aufmerksamkeit widmen und gewissen Sachverhalte, außerhalb von Stress und Termindruck vernünftig erklären!

Nun kann ich mir für eine schlaue Azubine auch nicht unbedingt etwas kaufen, was bringt mir das ganze Brain, wenn einige solcher Mädels nicht einmal wissen wie man abwäscht (versuchen es mit kaltem Wasser) und Unsauberkeiten im Salon, ganz einfach nicht wahrnehmen?!

Deshalb, bin ich nicht der Meinung das wir hier grundlegend etwas ändern müssen, denn wir haben wirklich schon viele Azubis, mit Problemen in der Schule, durch die richtige Förderung zu guten Schülern geformt! Viel wichtiger ist die Einstellung zu Fleiß, Ehrgeiz, Mode, Kreativität und natürlich die als Softskills bekannte emotionale Intelligenz! (Empathie, Einfühlungsvermögen etc.) Hier geht es auch um Respekt, Höflichkeit und dem richtigen Auftreten bei Kunden!

Auch sind wir seit Jahren insoweit dazu über gegangen, “Mädchen” mit Migrationshintergrund sehr gerne einzustellen!

Denn bei diesen Mädels stimmt die Einstellung, sie haben noch größere Familien und deshalb reichlich Pflichten Zuhause und auch die Erziehung stimmt! Themen wie Respekt, Fürsorge, Achtung vor dem Alter, Freundlichkeit etc. sind in der Regel Top!

Probleme in der Schule?

Klar, bei vielen sogar recht ausgeprägt, nur meistens liegt dies nicht an mangelnder Intelligenz, sondern z.B. weniger Förderung von Zuhause, aber auch heute werden Ausländer in Deutschland, leider immer noch benachteiligt!

Und dann haben wir ja nun die große Chance unsere Lücken mit Flüchtlingen zu füllen… wenn ich jetzt ehrlich bin, nach den ganzen Negtivmeldungen ist mir der Glauben daran verloren gegangen, denn die meisten sind ja eh nur hier, um uns auf der Tasche zu liegen… “ALLES” nur Wirtschaftsflüchtlinge und die Kerle sind doch “ALLE” nur scharf auf unsere Mädels! Tja… aktuell hatten wir einen jungen Mann aus Afghanistan als Praktikanten bei uns! Der Kerl ist gerade erst 17 geworden, ist ganz alleine hier nach Deutschland geflüchtet… der ist freundlich, höflich, extrem fleißig und hat überhaupt keine Berührungsängste, sogar die Toiletten zu putzen! Er hat Respekt vor jedem und überhaupt kein Problem, sich etwas von einer Frau sagen zu lassen! Innerhalb von einer Woche hatte er sich in die Herzen der Mädels gearbeitet und das ist eigentlich das größte Wunder… den die sind nicht unbedingt so einfach zu überzeugen und noch vor kurzem habe ich sie über die bösen Flüchtlinge schimpfen hören! Mittlerweile ist der junge Mann schon seit fast einem Jahr kein Praktikant mehr, trotzdem kommt er in regelmäßigen Abständen zu uns zu besuch und arbeitet nebenher an seinem Hauptschulabschluss… klarer Fall… ein Vorzeigeasylant… aber mal drüber nachdenken… vielleicht gibt es von denen mehr als man denkt!?

 Aber auch der Ausbilder, soll hier nicht zu kurz kommen, denn auch hier gibt es grundlegende Unterschiede!


Einige Unternehmer halten sich die sogenannten Lehrlinge nur als billige Arbeitskräfte, diese müssen dann auf Druck die Schule schwänzen und dürfen drei Jahre Putzen und Schrubben, oder werden schlimmstenfalls schon kurz nach den ersten Monaten zum Haarschneiden auf die Kunden losgelassen, obwohl sie dies noch nicht mal annähernd können! Dies ist nur ein kleines Beispiel wie es leider bei einigen Azubis in der Lehre ausschaut! Wie oft musste ich mir anhören, das die Klassenkameraden ehemaliger Azubis ja viel mehr in den Betrieben durften! Sie durften ja schon im ersten Lehrjahr am Kunden Haare schneiden… da fällt mir wenig zu ein! Heute erkläre ich den jungen Leuten, das die früher auch nicht erst das Fahren mit dem Fahrrad gelernt haben, erst wurde aufsitzen, bremsen, anhalten und absteigen trainiert!

Dass diese Mädels, dann irgendwie die Prüfung wuppen…? Naja das ist ein weiteres/anderes Problem und führt dazu, dass es mit deren Karriere, in der Regel nicht allzu weit her ist!

Eine junge Frau ist unglücklich den Hausputz übernehmen muss

Mancher Azubi ist nicht einmal eine bessere Putzfrau!

Andere Salons, insbesondere Hochpreisige, glauben ihre Azubis um Gottes Willen nicht mit etwas höheren Aufgaben, als Haarwäsche und/oder niederen Kosmetikdienstleistungen an die Kunden ran lassen zu können! “Das will der hochpreisige Kunde nicht”!

Sorry, ich habe anderer Erfahrungen gemacht! Hier entstehen dann schnell junge Menschen, die vielleicht gut ausgebildet werden, aber eben nur an Modellen oder Plastikbirnen arbeiten, Motivation geht hier leider schnell verloren!

Wir sind mit unserem Konzept, der Förderung und Forderung, dem sehr frühen einsetzen unserer jungen Mitarbeiter, auch bei wichtigeren Zuarbeiten und der Belohnung mit Aufgaben höherer Verantwortung, sehr zufrieden und auch unsere Azubis schwärmen in der Schule und werden beneidet!

Ja die  eigentliche Regel ist und das wird viel zu selten publiziert, dass viele Unternehmer und Chefs, die sich  höchstpersönlich den Allerwertsten für ihre Azubis aufreißen und sogar viele tausend Euros in diese investieren, das wird immer seltener irgendwo beschrieben! In der Regel hört man nur die negativ Beispiele!

Denn den meisten Unternehmern ist schon längst klar, das was ich Ausbilde und vielleicht in meinem Unternehmen halte, die Zukunft unseres Berufes ist! Wo sollen denn die ganzen Mitarbeiter in diesem Beruf herkommen, die in den Salons, Top-Umsätze und Top-Gehalt bekommen!?

Nachtrag:


Im September 2014  schrieb ich diese Worte und fast 3 Jahre später kann ich beweisen… es funktioniert!!

Vor ein paar Monaten bei der letzten Innungsversammlung waren meine Lüneburger Kollegen recht verzweifelt, denn Bewerbungen junger arbeitswilliger und “guter” Leute, waren bei keinem meiner Kollegen in Massen aufgetreten! Die Stimmung war gedrückt… als ich dann aber sagte das ich mich eigentlich nicht beschweren könnte, wurde ich mit Blicken fast gesteinigt… 🙂

Heute weiß ich, meine Arbeit und der Plan mein Image zu steigern und meine positive Einstellung eben mit Hilfe der richtigen Medien nach außen zu tragen, hat sich mehr als gelohnt!

Nicht nur, das ich durch meine Arbeit einige Berühmtheit erlangt habe, ich kann mich vor ausbildungswilligen jungen Menschen kaum retten! Ich war auch in diesem Jahr wieder sehr erfolgreich mit meinen Carsting und habe drei tolle junge Menschen erreichen können!

Somit zeigt sich ganz klar, es gibt sie noch die jungen und motivierten Azubis, die diesen so tollen Beruf ausüben wollen… man muss eben nur anders an sie herantreten und endlich verstehen, dass wir uns bei Ihnen bewerben müssen!

By |2017-01-12T11:04:26+01:008. September 2014|Allgemeines|0 Kommentare

About the Author:

Friseurmeister und Inhaber des Friseursalons Haarchitektur in Lüneburg. Dozent und Prüfer in der Meisterschule der Handwerkskammer Lüneburg (Braunschweig-Lüneburg-Stade). Fachautor, Social Media Experte unabhängiger Fachtrainer, Choach & Berater, Seminarleiter für die Beautybranche.

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