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Der Hauptgrund warum viele Friseur-Geschäfte nicht laufen!

Sehr oft bekomme ich die Frage gestellt, wie ich es geschafft habe meinen Salon zu dem zu formen der er heute ist!?
Immer wieder verzweifeln viele Friseurunternehmer und schreiben mich an, was sie nur machen sollen oder was sie denn falsch machen!?

Gerade nach dem überwältigenden Erfolg unserer Seminare und der Veröffentlichung unserer Betriebsauswertungstools (Kalkulation,Kostenrechnung, Leistungserfassung, automatisiertes Leistungslohnmodul, Business-Controlling) mit dem man sämtliche relevanten Betriebsabläufe auf Knopfdruck erhält, stand mein Handy nicht mehr still, viele wollen Rettung von mir!

Nun, ich kann leider nicht die ganze Friseur-Welt in Einzelbetreuung retten so wie ich das damals mit der Kollegin Mellie Chaari  getan habe, denn bei der immensen Nachfrage, die hier auf mich und dem Kollegen Lohmeyer einstürzt, würde ich nur noch dies und nichts anderes machen! Auch ist das aller größte Problem… den Kollegen geht es oft so schlecht, das sie sich meine Arbeit in der Einzelbetreuung gar nicht wirklich leisten könnten!

Der Weg geht für uns ganz klar in eine andere Richtung! Ziel ist den Kollegen in breiter Front unser Tool (wir sind dabei dies für die Kollegen nahezu Kostenneutral durch Förderung bereit stellen zu können) zur Verfügung zu stellen! Da aber auch ein Tool das meine Zahlen überwacht, nicht ausreicht um den Kollegen aus der Misere zu helfen, wollen wir auch eben die dazu passende Gruppenbetreuung für Kollegen anbieten und auch dies dann möglichst Kostenneutral über die KFW. Um uns hier besser zu organisieren und nach dem unglaublichen Andrang den Überblick zu halten, waren wir tatsächlich gezwungen, eine Facebook Fu|Lo Seminar-Gruppe zu gründen, wenn Du Interesse hast schau vorbei! 🙂

Mellie Chaari im Interview mit der Innung Borken

Aber um auch aufzuzeigen, wo bei vielen Unternehmern der Schuh drückt, habe ich meinen Artikel als Antwort auf eine dieser Anfrage erstellt! 🙂

Ich schreibe heute einmal in einer sehr persönlichen Weise, an eine imaginäre dritte Person! 🙂

Vielleicht an Dich!?

Liebe/r „*******“ … das ist leider wirklich sehr vielschichtig und hängt mit vielen Faktoren zusammen!Haarchitektur-Lüneburg-Blog

So einfach lässt sich das nicht beantworten!

In erster Linie muss man den Hauptverantwortlichen ausmachen

… auch wenn es sehr schwer fällt…

schau in den Spiegel und Du weißt wer die Verantwortung oder die Schuld daran trägt, dass Dein Salon nicht so läuft wie er eigentlich laufen sollte!

Am Anfang hängt alles an der Kommunikation zum Kunden, aber noch viel wichtiger zu den Mitarbeitern!
Wir Friseure neigen eher dazu, schlechte Unternehmer zu sein. Unsere Empathie und unser Einfühlungsvermögen hindert uns daran, die richtigen Entscheidungen zu treffen und diese dann kontinuierlich durchzusetzten!

  • wissen Deine MA´s „was“ sie umzusetzen haben?
  • wenn ja, wissen sie auch „warum“ dies unbedingt nötig ist?
  • wissen Deine MA´s was von ihrem Umsatz wirklich für Dich als Gewinn übrig bleibt?
  • wissen Deine Kunden, welche Kosten da sind und warum eine Dienstleistung auch angemessen bezahlt gehört?
  • arbeitest Du auch wirklich mit kostendeckend kalkulierten Preisen?
  • bietest Du Deinen MA´s einen fairen Multiplikator und einen angemessenen Leistungslohn?
  • kennst Du eigentlich Deine eigenen Kostenstrukturen und weißt genau, was zu 100%  am Ende des Monats  an Einnahmen da sein müssen!?

oder bist nur Du dafür verantwortlich, dass der Laden überlebt, weil Du mit deinem persönlichen Umsatz, Deiner harten Arbeit den Laden irgendwie am Leben erhältst!?!?!

….Mitarbeiter können nur das erreichen, was sie auch verstehen! Wenn ein Salon nur überlebt weil der Unternehmer sich selbst kaputt buckelt, dann stimmt etwas nicht!

In den meisten Friseurgeschäften ist es ungefähr so…

die Mitarbeiter sind aus der Pflicht genommen und bekommen all diese Informationen nicht oder kaum. Wenn sie ihre Umsätze nicht erfüllen, dann hat dies kaum oder meistens keine  Konsequenzen… Die MA´s wurtscheln vor sich hin und luschen ab. Was das bedeutet, wissen sie nicht einmal! Der Chef buckelt sich oft krank und kaputt, damit seine Mitarbeiter ein ruhiges, entspanntes und geruhsames Leben führen können, ohne ihre Komfortzone verlassen zu müssen! Verdienen tun „ALLE“ nicht viel und die Motivation, hier mehr zu bringen oder etwas zu ändern ist so gar nicht vorhanden! Denn guter Umsatz hat keinen Einfluss, das versickert in den Tiefen der miesen Geschäftslage.
Bis irgendwann der große Knall kommt und man dann kündigen muss oder daran kaputt geht! 
So läuft es hervorragend in vielen tausend Friseurunternehmen in Deutschland und funktioniert tatsächlich… aber am Ende bleibt „EINER“ so richtig auf der Strecke, hat vielleicht genug zum Überleben, vielleicht auch zum Leben … aber am Ende hat er nicht einmal was übrig für die Altersvorsorge! 

Es gibt wahrscheinlich reichlich mehr kaputte und ausgebrannte Friseurunternehmer, als angestellte Friseure!?

Was passiert denn, wenn Du Deinem Mitarbeiter nur 80% des Gehalts überweist?!

Hmmm, schwierige Frage. Der wird gleich am nächsten Tag vor Dir stehen und fragen,

„Hey Chef, wo ist meine Knete!“

Wenn der Mitarbeiter aber seinen Mindestumsatz nicht schafft… was passiert dann? Meistens nichts… man scheut sich nämlich vor unangenehmen Gesprächen und ist da eher harmoniesüchtig… aber es staut sich immer mehr und immer doller und letztendlich… wer hat Schuld?

Jahrelang habe ich mich damit auseinandergesetzt. Gesucht und gefunden, was Mitarbeiter A. B. und C. alles falsch oder nicht oder überhaupt gar nicht machen… aber letztendlich ist es meine unternehmerische Aufgabe, mich mit diesen Themen auseinander zu setzten und ich kann mich nicht beschweren, wenn meine führungslosen Mitarbeiter ihr Soll nicht erfüllen können!

Du bist der Chef, Deine Aufgabe ist, zu Führen und zu Leiten und nicht nur toll Haare zu schneiden!

Wenn Du nur ein guter Friseur sein möchtest, dann hättest Du Dich nicht selbstständig machen dürfen!

Denn Deine Aufgabe ist nun eine andere… nämlich ein guter Chef zu sein!

Du siehst, man könnte dieses Thema lang und breit auseinanderwühlen und ich könne stundenlang drauf rumreiten!

Aber es führt zu wenig und es ist  viel zu viel zu  bedenken. Vor allem zu erlernen und schlimmer noch, zu trainieren und zu verinnerlichen!!

Ein anderes äußerst heikles Thema sind die Preise…

… hast Du auch die branchenüblichen angepassten Durchschnittspreise?

Es gibt eine klare Regel. Jedes Einzelunternehmer geführtes, kein/oder wenig filialbetriebenes Handwerksunternehmen (egal welches Gewerk) hat einen ähnlichen Stundenverrechnungssatz und dieser pendelt sich bei ca.  55.00 € + Material ein! Das ist wirklich ein Minimumwert! Viele liegen darunter oder berechenen die Zeit nicht richtig, aber dazu später mehr!

Darunter wird ein Überleben wirklich schwierig!

Hier von einem Stundensatz 50€ inkl. Material alle Kosten (laut EVA-Panel) abgezogen bist der Rest für Lohn und Lohnnebenkosten übrig bleibt!

Betrachtet man vergleichend eine Automechanikerwerkstatt und einen Friseursalon fällt als aller erstes auf, dass der Friseur 40-45% Lohn und Lohnnebenkosten hat. Obwohl der Mechatroniker bei weitem und vor allem deutlich mehr verdient, haben diese Firmen Personalkosten unter 20%!

Warum ist das so? Weil in der Autowerkstatt deutlich höhere Materialwerte in die Arbeit einfließen und viele dieser Arbeiten nur noch schnelles Teiletauschen oder Comuterarbeit voraussetzen!
Wirklich etwas zu reparieren oder aufwendige Arbeiten auszuführen, die viel Arbeitszeit verlangen, ist in diesen und ähnlichen Branchen nicht mehr wirklich vorgesehen!
Gleichzeitig erwirtschaftet der Werkstattmitarbeiter deutlich höher Umsätze, bei deutlich weniger Arbeitsleistung!
Dazu kommt, dass die Stundensätze in der KFZ-Branche bei weitem höher sind,als der von mir deklarierte Wert. Zum Teil sogar deutlich mehr als das Doppelte!
Auch in anderen Gewerken werden viel mehr Maschinen eingesetzt… wir Friseure aber, machen hauptsächlich Handarbeit, Materialeinsatz ist oft gar nicht vorhanden und pendelt sich bei 10-12% ein!

Tja… und wir Friseure empfinden dann immer mit dem Gefühl für das Portemonnaie unserer Kunden und denken, dass 30.00 € pro Stunde doch auch irgendwie reichen müssen!

Der arme Kunde… das kann doch keiner zahlen… ich bin doch auf dem Lande, da geht das nicht… anstatt sich um das Geschäft zu kümmern, kümmern sich viele Friseur-Unternehmer um alles Mögliche, arbeiten wie verrückt und vernachlässigen die Zahlen… sehen die Fehler nicht vor lauter Arbeit… herrscht vollkommenes Chaos und wie auch nur ansatzweise eine Buchführung, oder wie es mit den Kosten ausschaut, das sind alles riesen Rätsel! Dispos ausgereizt bis ans Limit… mit horrenden Kosten jeden Monat, ohne die Chance davon jemals runter zu kommen! Keinerlei Plan von Preis- oder Dienstleistungs-Kalkulation… mit dem Ergebnis das Preise nur geschätzt sind! Da wird noch der Preis für einen Kurzhaarschnitt in ausreichender Höhe geschätzt, ohne zu wissen, das bei einer ordentlichen Kalkulation 10 min. mehr Arbeitszeit je nach Faktor, ganz schnell 10,00 € mehr bedeuten!

Kalkulationsbeispiel

 

Ohne ausreichender Kalkulation und geschätzten Preisen wird dann ganz schnell in Aus manövriert! Oft gesehen, das zwischen Kurz und Langhaarschnitten nur 2 – 5,00 € Unterscheid sind, obwohl es mindestens 15,00 € sein müssten! Denn die Zahlen springen nicht liniere sondern exponenziell je nach Arbeitszeit!

Ein Tipp, wer absolut nicht kalkulieren kann… eine Minute Arbeit kosten (inkl. Material) mindestens 1,00 € alles darunter wird kaum funktionieren!!

Daraus resultiert, die Unternehmer kommen auf keinen grünen Zweig und die Mitarbeiter verdienen (vom Staat auferlegte) Mindestlöhne!
Der Unternehmer steht da und wundert sich, dass seine Mitarbeiter unmotiviert und faul sind oder er einfach keine finden kann! Wer soll sich denn für den Mindestlohn oder irgendwas um 10€ die Stunde die Beine kaputt arbeiten? Wer macht dies dann motiviert, fleißig und mit Liebe und Leidenschaft, wenn er dann weiß, das er mit diesem Gehalt in die Altersarmut geht und im Alter auf eine nicht mehr vorhandene soziale Absicherung angewiesen sein wird!?
Wenn man es so betrachtet… eigentlich vollkommen logisch und total schräg. Dass die lieben Friseurunternehmer das nicht erkennen!?
Dann höre ich den Spruch, ich zahle aber meinen Mitarbeitern viel mehr als den Mindestlohn!
Was dann wirklich viel mehr ist… na ja ,das möchte ich nicht bewerten. Schon mal den Spruch gehört…

Mit gefangen, mit gehangen?

Da bleibt nur der Ausweg, ändere es und handele endlich! Hab endlich Arsch in der Hose und mach etwas! Erhöhe Deine Preise und damit auch die Gehälter Deiner Mitarbeiter und dann rede darüber! Lerne zu kalkulieren und schätze Deine Preise nicht! Plötzlich wachen die Mitarbeiter auf und Du wirst von motivierten Menschen umgeben sein! Bewerbungen flattern Dir in die Bude und Du bekommst Kunden, die Du verdienst und die es sich Wert sind! Natürlich geht das alles nicht von heute auf morgen, das ist zum Teil ein langer, schwieriger und nicht sofort von Erfolg gekrönter Prozess, aber wie lange will man warten, wann will man denn endlich mit der so wichtigen Aufgabe anfangen!?

Woher ich das alles weiß? Na… ich plaudere aus dem Nähkästchen… jahrelang habe ich mich dumm und dusselig gearbeitet und wollte meinen armen Kunden nicht zur Last fallen. Hab meine Mitarbeiter mehr schlecht als recht bezahlt und habe trotz unglaublichen Arbeitspensum, von der Hand in den Mund gelebt! Heute frage ich mich, wie ich das überhaupt so lange ausgehalten habe!

Also wacht auf!

Liebe Grüße Christian


Bist auch Du mit diesem Problemen behaftet!? Fu|Lo kann helfen, folge dem Link! Oder komm in unsere Facebook-Gruppe!

 

Veröffentlicht von Christian Funk

Friseurmeister und Inhaber des Friseursalons Haarchitektur in Lüneburg. Dozent und Prüfer in der Meisterschule der Handwerkskammer Lüneburg (Braunschweig-Lüneburg-Stade). Fachautor, Social Media Experte und Fachtrainer für verschiedene Firmen der Beautybranche.

12 Kommentare

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Hermann Wiezorek

Lieber Christian Funk und alle, den dieser Bericht pauschal gefällt.
Während des Lesens musste ich innerlich schmunzeln. Man stelle sich vor, ein Salonbesitzer könnte die ersten 5 Fragen alle mit „ja“ beantworten. Wir würden feststellen, dass sein Salon immer noch nicht funktioniert.
Man stelle sich vor, ein Unternehmensberater berät über einige Monate diese unfähigen Friseure kostenlos. Ganz sicher funktioniert sein Salon noch immer nicht.
Warum? Weil er fachlich einfach nichts kann.

Aber genau diese schwachen Friseure und Friseurinnen bekommen täglich von ihrer Lieblingskundin gesagt, wie gut sie sind; die glauben das wirklich.

So, Spaß beiseite: Selbstverständlich ist dieser gesamte Kommentar perfekt und richtig.

Ein Friseur wird nach Erklärung seiner Zahlen von einem Unternehmensberater gerne Einsichtig. Aber sag mal einem Friseur: „Du kannst nicht Haare schneiden“! Dann geht der doch an die Decke. Und genau dem kannst Du, lieber Christian, auch bei all Deinen wirklich guten ökonomischen Fähigkeit nicht mehr helfen.
Dein Salon würde auch nicht laufen, wenn Du bei Deinen betriebswirtschaftlichen Fähigkeiten nicht zusätzlich irgendwie eine fachliche Spitzenleistung aus Deinen Personal herauskitzeln könntest. Kompliment, ich denke da liegt in erster Linie Dein Erfolg.
Gruß aus Kleve
Hermann Wiezorek

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Christian Funk

Ehre wem Ehre gebührt! Das hast Du toll geschrieben und es ist auch so unglaublich richtig!! Aber ich habe hier absichtlich den fachlichen Kontext raus gelassen! Denn viel zu viele Friseurunternehmer sind unglaublich bemüht, tolle Friseure zu sein, vergessen aber das sie in erster Linie Unternehmer sein müssten! Wofür hat man denn Angestellte!? 😉 Aus denen kann man das fachliche Potential hervorragend rauskitzeln… wir Chefs müssen nur noch so tun! 😉

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Lockendreher

Danke für den Spitzen Artikel, ich werde in meinem Laden wohl noch mehr Produkte einführen und die Mitarbeiter mit Provsion und Prämien belohnen, mal sehen wie sich der Umsatz dann entwickelt.
Viele Grüße Ralf

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