Spannende Frage: Warum 3% weniger Mehrwertsteuer keine Preissenkung um 3% rechtfertigen.

Liebe Kunden, Kollegen und Interessierte,

was ist überhaupt los in Deutschland? Nach der langen Schließung durch die Corona-Pandemie hat die Bundesregierung in einer Nacht- und Nebelaktion ein Konjunktur-Paket auf die Beine gestellt, um der Wirtschaft einen deutlichen Schub zu geben! Durch Reduzierung der Mehrwertsteuer um 3% für ein halben Jahr, also ab dem 01.07. bis zum 31.12.2020.
Ob das nun für jede Branche ein Segen ist und auch wirklich allen hilft, das klären wir im Anschluss.

Denn es gibt ein Problem mit diesen ominösen 3%, das ich in diesem Beitrag gerne klären oder besser erklären möchte!

Eine der wohl zurzeit häufigsten Fragen, die mir von Kunden, aber auch von Friseurkollegen gestellt wird und die leider bei einigen auch zu Diskussions- und Streitsituationen führt – ist die: Warum wird nicht auch der Preis um 3% gesenkt, wenn die MwSt. um exakt 3% herabgesetzt wird?

Was für viele Leute sicherlich sonnenklar ist, stellt für andere vielleicht ein großes Rätsel dar! Deswegen und um unangenehme Diskussionen und mühevolle Erklärungen, die meistens dann womöglich nicht verstanden werden, vermeiden zu können, dieser Blogbeitrag!

Also – eigentlich ist es ja ganz einfach – die 3% der MwSt. werden ja nicht vom Endpreis abgezogen – sondern ausschließlich von der Mehrwertsteuer!

Nehmen wir mal 99€ Gesamtpreis (Brutto), den wir als Kunde bezahlen müssen – davon zahlen wir dem Unternehmen nur 83,19€ – der Rest (15,81€) geht nämlich direkt an das Finanzamt!

Formel:  99€ x 100/119=83,19€  + 16% = 96,50 = 2,50€ bzw. 2,52%, die der Kunde sparen kann.

Bitte nicht einfach 99€-19%= 80,19€ das wäre falsch – denn die 100€ sind nicht 100% sondern 119%!!

Deswegen ist es auch ganz einfach möglich, mit einem Rabatt von 2.52% dem Kunden genau 3% der Mehrwertsteuersumme zu erlassen!

                 99€ – 2,52% =96,50 € 😎

Immer noch nicht verstanden? 

Kein Problem – Kostenrechnung schaut auf den ersten Blick wirklich unglaublich einfach aus – ist aber am Ende immer wieder eine ordentliche Herausforderung für JEDEN! Daher hier noch mal ein Beispiel mit einer anderen Summe:

Formel:  Bruttopreis 19% – z.B. 49,99€ x 100/119 = 42,01€ Nettopreis + 16% = 48,73€ Bruttopreis 16%

Ersparnis 1,26€ 

Ersparnis in Prozent

49,99€ = 100%

1,26€ =  ?%

Formel: 100 x 1,26€ / 49,99€ = 2,52%

49,99€ – 2,52% = 48,73€

So sollte man es eigentlich einigermaßen nachvollziehen können – aber auch so mancher Unternehmer ist bei dem Thema mal ganz schnell draußen!

Also locker bleiben – und wenn nicht verstanden, einfach glauben, dass es stimmt! 😊

So, nun aber bitte mal zu einem Thema, das für viele auf den ersten Blick auch nicht sofort nachvollziehbar ist!

Was haben wir wirklich von diesen drei Prozent, die uns der Staat von der MwSt. erlässt?
Richtig betrachtet hört sich das toll an, aber ob deswegen nun mehr Leute oder Leute häufiger z.B. zum Friseur gehen, weil sie dort nun 1,26 € sparen, wage ich sehr zu bezweifeln! Kaufe ich mir als Privatperson hingegen ein neues Auto oder gar ein Haus, machen 3% von der MwSt. natürlich schon was her!

Kostet mein Auto Brutto mit 19% MwSt. z.B. 45000€ – 2,52% = 43866€ (Bruttopreis 16%), macht das eine Ersparnis von 1134,00€.
Das ist deutlich weniger als man denken würde – aber je höher der Kaufpreis, umso höher die Ersparnis! Also lohnt es sich wirklich nur bei größeren Anschaffungen – bei kleinen Beträgen für Dienstleistungen oder unseren täglichen Bedarf macht das leider nicht so viel her!

ABER – der Aufwand kann schon heftig ins Geld gehen! Beispiel: Der Supermarkt um die Ecke hat ein ganzes Team von Mitarbeitern, die sowieso täglich damit beschäftigt sind, die Ware neu auszuzeichnen und das meiste geht heute sogar schon elektronisch! Solche Unternehmen wird das nicht sonderlich stören, aber für einen kleinen Dienstleister wie einen Gastronomen oder Handwerker ist diese Aufgabe nach den schweren Verlusten der letzten Monate eine existenzbedrohende, zusätzliche Belastung – denn hier greift der Spruch: AUSSER SPESEN NICHTS GEWESEN!

Bedeutet, wir müssen unsere Preislisten neu drucken, unsere Webseiten updaten, Auszeichnungen an unseren Produkten und – am schlimmsten – unseren Kassensystemen vornehmen, eine Aufgabe, die für viele in der Kürze der Zeit kaum zu schaffen ist, aber auf jeden Fall immense Kosten und viele Überstunden bedeuten wird! Umso schlimmer, weil wir diesen ganzen Aufwand nach nur sechs Monaten wieder zurückdrehen müssen!

Das ist für ein kleines Unternehmen ein so großer Stress, dass diese Steuersenkung für so kleine Summen dazu führen wird, dass Preise sogar steigen müssen, um den Verlust durch den Verwaltungsaufwand wieder auszugleichen!

Vor diesem Hintergrund sollte man daher doch unbedingt hinterfragen, ob bei so minimalen Ersparnissen wie z. B. 1,26 Euro für einen Haarschnitt der ganze Aufwand wirklich in einem gesunden Verhältnis für Friseur, Gastronom, andere Handwerker, Dienstleister und Kunde steht.

Ihr möchtet Eure Kunden darüber einfach informieren? Hier habt Ihr ein QR-Code!

By |2020-06-30T07:07:25+02:0022. Juni 2020|Allgemeines|0 Kommentare

About the Author:

Friseurmeister und Inhaber des Friseursalons Haarchitektur in Lüneburg. Dozent und Prüfer in der Meisterschule der Handwerkskammer Lüneburg (Braunschweig-Lüneburg-Stade). Fachautor, Social Media Experte unabhängiger Fachtrainer, Choach & Berater, Seminarleiter für die Beautybranche.

Hinterlasse einen Kommentar