Friseure verkaufen ihre Lebenszeit! Und das viel zu billig!

Schaut man sich die durchschnittliche Preispolitik im Friseurhandwerk an, könnte man durchaus glauben, dass jeder Döner oder jede Dose Energy deutlich mehr wert wären, als die Handarbeit eines ausgebildeten Handwerkers!

Da verramschen Unternehmer die Leistung ihrer Mitarbeiter und diese gehen für den Mindestlohn von nun 8,84 € schaffen? Eigentlich eine absolute Unglaublichkeit, schon eine ungelernte Putzkraft verdient kaum unter 10€ die Stunde. Berechnet man bei einem Stundenlohn von 10€ mal seine Rente, wird einem schlecht! Deutlich weniger als 800€ Rente… da gehen 60-70% für die Miete drauf! Dann weiß man, was man im Alter tun wird. Nämlich zum Amt gehen und harzen und nebenbei, wenn man dann noch laufen kann, wühlt man leere Pfandflaschen aus dem Müll!

Diese Prognosen sind Euch zu düster!? Kann ich leider nicht ändern, denn so wird die Zukunft vieler Friseure ausschauen!

Jede Verkäuferin bei Aldi verdient mit mindestens 15€ die Stunde weit mehr als die meisten Friseure und wir machen dabei reine Handarbeit. Überall wo man Handarbeit bekommt, muss man viel bezahlen, denn Handarbeit kostet für gewöhnlich! Nur wir Friseure verkaufen das für weniger als wenig und wundern uns, dass die Geschäfte so schlecht laufen? Für mich ein klares Zeichen, wir müssen unsere Arbeitszeit in eine andere, für jeden verständliche Währung umrechnen! 

Ein Unternehmer, der z.B. Döner verkauft, kann in dem gleichen Zeitraum mit unglaublich geringem Material- und Arbeitseinsatz mehrere hundert Euro Umsatz pro Stunde erwirtschaften!
Glaubt ihr nicht!? 4,00€ für einen Döner und ca. eine Minute Arbeitszeit, plus ca. 0,50 € Material, dann kostet Döner tatsächlich unglaubliche 240€ pro Stunde!!!

Die meisten Friseure freuen sich, dass sie etwas über 30.00€ in der Stunde Umsatz machen und sind hiermit dann, sollte der Zoll freundlich vor der Tür stehen, automatisch verdächtig auf irgendeine Art und Weise zu manipulieren! Denn weniger als 38€ die Stunde ist ohne Schattenwirtschaft laut Zollamt nicht möglich!

Nun wollte ich die Zeit die wir in eine Dienstleistung stecken, in eine andere für jeden verständliche Währung umrechnen!
Denn letzte Woche hatte ich einen Kunden, der als Unternehmensberater für seine Firma einen Tagessatz (6Std) von ca. 1800€ an seine Kunden vorgibt und hat diese irrsinnige Summe damit begründet, dass er ja immerhin seine Lebenszeit für den Kunden zur Verfügung stellt!
Lebenszeit, in der er mit seinen Lieben die schönsten Dinge unternehmen könnte! Seine Lebenszeit sei doch begrenzt und wäre somit auch sehr viel wert! Er berechne sie mit mindestens 300€ die Stunde, natürlich plus MwSt! 😉

Klar, der Mann steckt sich das nicht alles in die Taschen; auch er hat Unkosten, Büromiete, Spesen, Fahrt- und Reisekosten und natürlich muss auch er seine Mitarbeiter bezahlen! Es gibt auch andere Unternehmen die Stundensätze von 500€  und mehr ansetzten! 

Trotzdem muss ich sagen, dass mich das unglaublich nachdenklich gemacht hat! Warum maßt dieser junge Mann sich an, seine Tagesleistung für 1800€ zu verkaufen und ich werde schon schräg angeguckt, wenn ich mit 65€ Stundensatz plus Material so fürchterlich teuer bin! Ich opfere doch auch meine Lebenszeit für meine Kunden, auch ich könnte in dieser Zeit unglaublich viele schöne Dinge unternehmen, mit den von mir so sehr geliebten Menschen. Was ist mir das denn überhaupt persönlich wert!?

Kaum gedacht und schon eine Umfrage in die Friseur-Facebook-Gruppe gestellt, war ich wirklich sehr gespannt, was meine lieben Friseurkollegen da so eintragen werden! Von dem Ergebnis war ich tatsächlich ziemlich überrascht!

Der Großteil unserer Kollegen schätzt jede Stunde ihrer Lebenszeit als unbezahlbar ein!

Gleichzeitig verschenken viele doch tagtäglich so unglaublich viel davon für fast nichts! Wie kann es sein, dass die Kollegen jede Stunde ihrer Lebenszeit als unbezahlbar einschätzen, aber diese Währung dann auf der anderen Seite für ‘n Appel und ‘nen Ei rausdonnern! Warum ist es uns Friseuren nicht möglich, unsere Leistung, die wir tagtäglich mit der kostbarsten Zeit leisten, die uns begrenzt zur Verfügung steht, nicht ansatzweise ausreichend honorieren zu lassen!?

Wie soll es denn weiter gehen in unserer Branche? 8.84€… 9.50€ … 10.00€ … oder auch mehr… was macht das letztendlich auf dem Konto der Mitarbeiter aus? Wie bestreitet man von solchen Löhnen ein Leben im teuren Deutschland, wie wird das Alter finanziert und wie soll davon eine Familie, eine Wohnung, ein Auto und gesunde Lebensweise finanziert werden!?

Wirklich geschätzte und durchaus geachtete Kollegen habe ich sagen hören…

Ich zahl doch nicht für ne Katze im Sack… bei mir gibt es anfangs nur den Mindestlohn (oder irgendwas knapp darüber) und dann muss ich Leistung sehen, denn ich zahle nach Umsatz!

Klar, ich mache das nicht wirklich anders und auch in meinem Unternehmen muss der Mitarbeiter natürlich einen gewissen Umsatz erwirtschaften; nur so kann es funktionieren! Aber wer mit 8.84€ anfängt, der hört schon nach 8,84 min. auf, auch nur ansatzweise motiviert zu sein! Und zu hohen Umsätzen und höheren Löhnen gehören verdammt nochmal auch hohe Preise! Sonst dreht man sich im Hamsterrad und auch das macht keiner für ewig ! Wenn ich höre “ich zahle doch übertariflich” dann klingt das für den arbeitssuchenden MA in etwa so…

Ich bekomme irgendwas zwischen 9.00 -10.00€ p. Stunde…

“Mach Deinen Scheiß alleine!”… würde auch ich mir denken!

Kommen wir zu den neuen und viel schlimmeren Problemen, vor denen Unternehmer heute stehen!

FACHKRÄFTEMANGEL

Wie kann es denn sein, das keiner mehr Mitarbeiter finden kann… das Schulklassen heute nur noch aus 5-6 Schülern bestehen und das die HWK´s in Deutschland anfangen die überbetrieblichen Lehrgänge zu streichen!

Reisen wir mal zurück ins Jahr 1990 – der Christian Funk ist 20 Jahre alt und hat seine Lehre gerade beendet! In seinem Ausbildungsbetrieb fängt er als frischer Junggeselle an und verdient 1000 DM Brutto im Monat und macht einen Männerharrschnitt für 10 DM – umgerechnet – Währungs- und Inflationsbereinigt sind das 820€ Bruttolohn und 8,20€ für den Haarschnitt!

Heute 2018 – bekommt eine frisch ausgelernter Friseur Mindestlohn ca. 1500€ und der Kunde zahlt 26€ für seinen  Trockenschnitt in meinem Salon!

8,20€ zu 26€

820€ zu 1500€

Fällt Euch etwas auf? Die Friseure verdienen gemessen an der Teuerungsrate viel Weniger als vor 28 Jahren… und da wundert sich noch jemand, das wir keine Mitarbeiter mehr finden?

Fakt ist, auch wenn wir Friseure stets mit viel Herz, Liebe und gaaanz fröhlich unseren geliebten Beruf ausüben und ich immer wieder höre, dass Geld ja nicht alles ist, sollte man von seiner Arbeit schon leben und nicht nur überleben können! Wir leben in einem teuren Land und alles was man so zum Leben braucht, ist ziemlich teuer zu kaufen! Wie passen hier 4.99€ – 13.00€ für Handarbeit ins System!?

Wie schaut es denn aus in der schönen glitzernden Friseurwelt? Junge Mitarbeiter sind oft gezwungen ihre Lebenszeit an Seelenverkäufer zu verramschen… aber auch viele erfahrende Kollegen lassen ihre Lebenszeit maßlos unter Wert verhökern! Immer wieder höre ich die Frage…

Aber warum machen sie es denn überhaupt, warum arbeiten sie für solche Preise, warum lassen sie sich für so einen Hungerlohn abspeisen!?

© Lüneburger Landeszeitung dpa

Die Antwort ist leider immer häufiger, weil es in den sogenannten “guten” und “teuren” Läden auch oft nicht wirklich besser ist! Wenn man Glück hat, verdient man dort um die 10€… der Druck ist hier auch nicht besser und so manche arrogante Unternehmer faseln was von… “Hast doch Glück, dass du bei mir arbeiten darfst!”

Oft zählt der Mitarbeiter auch hier nicht mehr als das Schwein im Stall!

Viele Kollegen müssen in solchen Salons unbezahlte Überstunden, Auftritte auf Events und Shows ableisten und bekommen dafür zu hören, wie gut sie es doch haben, für etwas mehr als den Mindestlohn, in einem Elite-Salon zu ackern!

Von einem teuren Laden erwartet man, dass die Mitarbeiter wenigstens menschenwürdig entlohnt werden!
Das wirft ein enorm schlechtes Licht auf mich und andere tolle Unternehmer!

Wir sind noch weit entfernt vom demografischen Wandel… trotzdem bekommt irgendwie kein Schwein mehr Mitarbeiter! Nahezu jeder sucht… entweder Mitarbeiter oder Auszubildende!

Aber woran liegt das!?

In unserem Landkreis  gibt es über 100 Friseursalons… in der Schulklasse des erstens Lehrjahres sind zwölf Azubis… und drei davon arbeiten bei mir! Nach 2 Monaten ist die Klassengröße auf 6 Azubis geschrumpft… das bedeutet das ich 50% der Lüneburger Azubis ausbilde!?
In den Innungsversammlungen hört man nur, dass es keine vernünftigen Bewerber gibt… ich habe letztes Jahr ca. 80 Bewerbungen gehabt! Und kann und will auch behaupten, dass diese fast alle auf hohem Niveau waren.

Welcher “Nichtfriseur”, der eine Berufsausbildung über 3 Jahre absolviert hat und vielleicht 10 Jahre im Beruf ist, würde für 8.84€ arbeiten gehen!? Wer würde dies für lächerliche 10.00€ die Stunde tun!? Warum wundert sich noch irgendjemand, warum es immer weniger saudumme Leute gibt, die diese Erniedrigung geschehen lassen!? Ich habe schon so manche Diskussion bei Facebook geführt… und man redet gegen Wände!

“Ich zahle gut und trotzdem finde ich keine Mitarbeiter”… Stellt man die Frage was denn “gut” ist, wirds  mit einem mal ganz still, oder schaut man sich die Preise desjenigen an, wird hier klar gelogen! Wie soll bei teilweise maßlos billigen Preisen, ein Lohn von weit über 10.00€ drin sein!? Unmöglich… aber auch für einen motivierten Mitarbeiter, der gerne mehr verdienen möchte, sind Preise immer wichtiger! Die Unternehmer locken mit “guten Löhnen”… dabei weiß jeder, dass hier schon unrealistische Verzweiflungssummen vorgegeben werden!

Die dann höchstens durch Schwarzgeld und andere Machenschaften eingearbeitet werden! Auch sind Praktiken, wie unbezahlte Überstunden, miese Pausenregelungen und so mancher wird auf 4 Tage eingestellt und arbeitet dann aber inoffiziell fünf Tage, so wird dann sogar der Mindestlohn umgangen! Hier von wenigen Einzelfällen zu sprechen, wäre naiv!
Ich lerne Jugendliche kennen, die diesen Beruf so gerne machen würden, aber dies von ihren Eltern verboten bekommen! Ja, wer will sein Kind schon in der Armut wissen!?

Neuste Auswertungen belegen diese Situation nun mit dramatischen Zahlen… über 80000 Friseursalons stehen jährlich ca. 5700 fertige Friseurgesellen gegenüber!

Aber wie kommt man dann als Arbeitnehmer in einem Salon mit Fantasiepreisen je zu mehr Lohn!?
Da heißt es dann, “Wenn der Umsatz stimmt, dann bekommst Du mehr!” Wie soll  das bei den marktüblichen Niedrigpreisen  jemals auf Dauer funktionieren? Wenn viele Chefs nicht rechnen können, dann sollten sie nicht davon ausgehen, dass dies auch auf “alle” potentiellen Arbeitnehmer zutrifft! 😉

Übrigens noch viel weniger sinnvoll sind keine Umsatzvorgaben! So züchtet man automatisch unmotivierte Mitarbeiter, die ihre Leistung nur anhand zufriedener Kunden messen können, aber niemals  erkennen ob sie dies auch wirtschaftlich tun!

Seit einiger Zeit mein Leitspruch von Herrn Robert Bosch! (siehe links im Bild) 

Sukzessiv steigere ich mindestens einmal im Jahr meine Grundgehälter, mein Ziel ist so schnell wie es geht auf durchschnittlich 15.00€ zu kommen, um wirklich behaupten zu können, dass ich “gut” bezahle! Hier kann man leicht vernünftige Übergangsfristen für Jungfriseure einführen, um diese nicht zu überfordern. Bei ausreichend hohen Preisen und geschultem Know How, sollten  aber auch hier Anfangsgehälter um die 10.00 € – 12.00 € kein wirkliches Problem darstellen.
Ich habe mich schon lange von Tarifempfehlungen und Mindestlohn verabschiedet! Heute schon bekommt jeder Mitarbeiter mindestens 14.00€ pro Stunde und das ist nur unser Anfangslohn!
Was hat sich seit dem verändert!?

Motivierte Mitarbeiter (ich nenne meine nur Mitgestalter), die sich wie Selbstständige fühlen, da sie genau das bekommen, was sie sich auch verdienen! Aber sie beginnen nicht mit einem lächerlichen Mindestlohn, sondern werden motiviert, noch höhere Löhne zu erwirtschaften! Sie wissen über die Kostenstruktur im Unternehmen Bescheid und schon meine Azubis lernen  richtiges Kalkulieren, damit sie wissen, warum ein Preis seinen Preis hat und wie sich diese zusammensetzten!

Übrigens Lohnsteigerungen sind auch eine super Begründung für eine Preisanpassungen! Jeder Kunde der liest, warum wir “schon” wieder teurer geworden sind, kann hierauf nichts erwidern! Denn er wird ja wohl unseren tollen Mitarbeitern etwas mehr Lohn gönnen!? 🙂

Denn wie heißt es so schön in der Zahnpastawerbung… “…damit sie auch morgen noch kraftvoll Zubeißen können!”

Ich möchte auch morgen noch motivierte und unternehmerisch denkende Mitarbeiter beschäftigen, ich möchte auch morgen noch intelligente und lernwillige Azubis einstellen… also bleibt eigentlich nur ein Weg… und der ist… Grundgehälter hoch… und das nicht nur ein bisschen, sondern reichlich und auch nicht erst morgen, sonst verhungert man irgendwann trotz ausreichender Kunden!

Nun kommen wir an den Punkt, wie will man das erreichen, wie will man seine Preise so anheben, das man auch ausreichende Löhne Zahlen kann!? Und ich rede hier jetzt nicht davon das jeder meine Preise und Löhne hernehmen soll, das war ja auch ein weiter weg aus der Durchschnittlichkeit zu dem wie ich mich, mein Unternehmen und meine Mitarbeiter heute aufgestellt habe und präsentiere! Sicherlich ist es schwierig, eine falsche Preis und Lohnpolitik umzustellen, von heute auf Morgen ist das kaum möglich, aber man muss schon irgendwann einmal damit anfangen! Denn die gesetzlichen Vorschriften (Bon und Kassenpflicht) werden einen Schwarzumsatz immer schwieriger machen!

In Zukunft wird ein Überleben so nicht mehr möglich sein! Mitarbeiter bekommt  man nur, wer auch ausreichend bezahlt, ausreichend bezahlen kann nur jemand, der ausreichend und richtig kalkuliert! Will man dann wirklich als kleiner Einzelkämpfer mit miesem Lebensstandard, zukünftiger Altersarmut und am Rande der Legalität rumkrebsen!? Der Überlebenskampf wird sich auf Grund des Fachkräftemangels so unglaublich verstärken, und schon heute werden auf Grund fehlenden Personals Geschäfte geschlossen!

Hilfe zur Veränderung bieten Dir mein Seminare  oder der man bucht mich und ich liefere Euch die perfekte Kalkulation, transparent, einfach mit sämtlichen wichtige Kennzahlen und Auswertungstools!

By |2019-01-04T12:19:54+01:006. März 2017|Allgemeines|5 Kommentare

About the Author:

Friseurmeister und Inhaber des Friseursalons Haarchitektur in Lüneburg. Dozent und Prüfer in der Meisterschule der Handwerkskammer Lüneburg (Braunschweig-Lüneburg-Stade). Fachautor, Social Media Experte unabhängiger Fachtrainer, Choach & Berater, Seminarleiter für die Beautybranche.

5 Comments

  1. Seeger Eckart 7. November 2017 um 22:20 - Antworten

    Sehr guter Bericht. Ich habe letztes Jahr meinen Betrieb an 2 Türkinnen verkauft und gleichzeitig in dem Geschäft für mich eine Stuhlmiete gemacht. Die zwei Inhaberinnen waren das erste halbe Jahr auf einen sehr guten Weg um ein Erfolgreiches Geschäft aufzubauen. Doch dann haben sie einen Herrenfriseur eingestellt, der die ganze Woche anwesend war und ihn auf 450 € Basis (Eine Abrechnung vom Steuerberater lag in der Küche und ich hatte so den Einblick mit der Abrechnung) abgerechnet und den Rest auf die Hand ausgezahlt. Dass war ihm zu wenig und er hat nach 5 Monaten aufgehört und seine Kunden mitgenommen, so dass die zwei jetzt kaum noch Herren- Kunden haben und sich wundern das sie keine neuen Mitarbeiter finden. Mit der Bezahlung von Mitarbeitern und die korrekten Zahlen ans Finanzamt ist ja noch ein ganz anderes Problem was unsere Branche sehr schadet. LG. E. Seeger

  2. Anette Kronauer 27. Oktober 2018 um 12:58 - Antworten

    Wir haben für einen Kältetechnicker ohne Materialeinsatz für 30 min.150 Euro bezahlt.

  3. Tina w 28. Oktober 2018 um 14:17 - Antworten

    Ich habe vor zwei Jahren umgeschaltet von Friseurmeisterin auf industriemechanikerin! Und das nach fast 18 Jahren im Beruf!!! Und warum??!! Ich bin jetzt 38, habe keinen Mann, keiner Kinder, kein Haus, nichts! Weil ich nur am arbeiten war!!! 10 Stunden täglich für einen Hungerlohn, ohne pausen. Am Wochenende hab ich noch in der Kneipe gearbeitet und habe montags noch in der Videothek gearbeitet….Nur um essen zu können und mir meine zugfahrkarte und eine kleine Wohnung erlauben zu können!! Dafür hab ich mich mit dem Meister verschuldet! Musste jetzt jahrelang müssig den Kredit abbezahlen, in der Hoffnung besser leben zu können, eine Familie zu gründen, zu heiraten….
    Nein, nichts davon ist in Erfüllung gegangen, ich würde einfach nur verheizt! Jetzt bekomme ich 500 Euro mehr wie mit meinem “meistergehalt”, das muss man sich mal auf der Zunge zerlassen lassen, für mehr Zeit für mich, für mehr Rente, mir mal etwas erlauben zu können, geregelte arbeite und pausenzeiten, und für sehr viel weniger Stress!!’!
    Irgendwann das läuft doch da falsch….U d ich finde es einfach schade das dieser Beruf so verkommt. Ich dachte ich mache das mein Leben lang. Aber man kann einfach irgendwann nicht mehr..
    Gruß tina

  4. Biene 3. November 2018 um 18:44 - Antworten

    Hammer Beitrag!
    Du sprichst mir aus meiner der Seele!!
    Mir geht es wirklich genau so als Mitarbeiterin eines “guten Friseurbetriebes”.
    Ich bin seit 5 Jahren im Betrieb. Seit dem bekam ich keine Lohnerhöhung.Meine Umsätze sind wirklich -traue ich mir behaupten sehr gut!!
    Als ich eingestellt wurde(hatte schon zu vor dort 2,5 Jahre gearbeitet,dann in der Stadt 1Jahr machte die Visagistenausbildung arbeitete Non Stop für einen Hungerlohn-meine Sicht damals dazu war Erfahrungen so viel wie möglich-egal hauptsache Erfahrungen)bekam ich ein für vor 5 Jahren gutes Einstiegsgehalt(war der Lockköder) ich hatte innerhalb eines halben Jahres meine Umsätze so weit dass ich eigentlich wieder Lohnfordern gehen könnte. Doch dachte mir nein.. lass dir noch Zeit..ok soweit so gut. Dann beschloss ich während meiner Arbeit auch meinen Friseurmeister zumachen denn ich mir hart erspart hatte.
    Als ich dann fertig war forderte ich eine Lohnerhöhung -die Antwort ich habe dich nicht als Meister eingestellt daher gibt es nichts.
    Gut ich Trottel schufte weiter-um noch besser zu werden.Ich sprach ihn wieder an auf meinen Lohn und meine Umsätze die ich immer im Blicke hatte. Die Antwort war:”Ja reden wir mal darüber, wenn Zeit ist”. Ich arbeitete weiter und bei der Weihnachtsfeier im Überschwung der Gefühle und des Alkohols erzählte er mir das wir wieder Preiserhöhungen haben werden-meine Antwort darauf:”Sehr gut dann können wir die Löhne auch einmal anheben!”.Er meinte:” Kein Problem nach Weihnachten sehen wir uns das gleich an!”.
    Ich dachte mir der gierige Hund…kommt sicher nicht auf mich zu und siehe da im Jänner gab es ein Gespräch. Lächerlich nur lächerlich ….Mein Grundgehalt könne er nicht erhöhen aber ich bekomme ALLE 3 MONATE EINE prozentuelle PRÄMIE von meinem Umsatz (nach 4Jahren!).
    Ich meinte:” Ich möchte eine dauerhafte Erhöhung ,ich möchte das so nicht!”
    Er sagte:” Das können wir uns in 3 Monaten nochmals ansehen”. Also gut,ich angefressen wie ich war,rannte ihm seit 3/4 Jahr durchgehend nach um eine Erhöhung und dann das?? Ich dachte mir ich sehe mir das mal an.. und was ist?! Ich hatte im Jänner die erste und einzige Prämie-jetzt ist November seit dem Pustekuchen! (Es kommt auch dazu dass ihn den letzten Monaten uns schon 3 Kolleginnen verlassen haben und er wie wild Friseurinnen sucht-und keine findet)Ich laufe ihm nicht mehr hinterher.Wenn es in der “Heutigen Zeit” nichts mehr Wert ist dass,mann immer pünktlich ist-in 5 Jahren 5Tage Krankenstand hat(weil man kann doch nicht …die Firma ) Top umsätze und Kunden hat,mit allen Mitarbeiter gut auskommt, nie jammert ( an einem 10,5 Stunden Tag keine Mittagspause hat- nur volle Kanne durcharbeitet-ich oft froh bin wenn ich 1×auf die Toilette komm-weil da geht sich noch etwas aus-da zwickt man noch einen Kunden hinein) dann tuts mir leid . Anderer Seite will ich meinen Job wirklich aufgeben?? Nach sämtlichen Ausbildungen,Meister,10 Jahren Berufserfahrung. Will ich mich in irgendeine Großfirma zu einer Maschine stellen?,wo ich weit mehr verdiene geregelte Pausen habe?
    Ich liebe meinen Job als Friseur aber so macht es einfach keinen Spaß mehr wenn du nach 5 Jahren damals gutes Einstiegsgehalt-nun wieder beim Tariflichen Mindestlohn angekommen bist.Dein Chef unzählige Preiserhöhungen beim Kunden nur keine einzige für dem Mitarbeiter?! Zum Kotzen..wirklich..!
    Daher wirklich großes Danke für diesen Bericht! Er soll um die Welt gehen und wirklich etwas verändern. Ansonsten wird es bald fast garkeine Friseure mehr geben!

  5. Christiane 12. November 2018 um 12:59 - Antworten

    Hallo ich finde den Beitrag sehr gut . Vor einiger Zeit gelesen und geteilt. Heute habe ich einen Flyer mit der Post bekommen .. Eine Friseurmeisterin hat im Nachbarort ihren kleinen Salon neu eröffnet. Preisliste Männer: wsf 15 € Damen: wsf ab 20€ Farbe: ab 15€ Strähnen: pro Stück 1€ Kinder bis 8Jahre : 5 € ……. ein kleiner Auszug aus deren Preisliste. Diese Preise sind für mich ein absolutes no go. Ich persönlich liebe meinen Beruf bin angestellt.,kann aber mit der Entlohnung nicht Leben. Wohnkosten Auto und alles andere ist Monat für Monat ein Minusgeschäft. Habe mich inzwischen zwei mal damit auseinandergesetzt mich selbstständig zu machen. Ist leider auch jedes mal am finanziellen gescheitert. Das ganze ist ein Zwiespalt. Einerseits gehöre ich selber zu dem Personen Kreis der sich keinen Friseur mehr leisten kann nicht mal den billigsten andereseits finde ich auch ,so wie in ihrem Beitrag, dass die Löhne sich ändern müssen. Wie die Friseurin im Nachbarort ihre Preise dermaßen niedrig kalkulieren konnte ist mir wirklich ein Rätsel und macht mich wütend.

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