Haare schneiden mit Aufsatz… ein Tabu-Thema und eine klare Kante!

Oft habe ich das ungute Gefühl, viele Friseure können gar nicht mehr ohne Aufsätze arbeiten!

Kunden kommen rein und reden von Millimetern – nach dem wir ihm dann erklärt haben, das wir nur auf ausdrücklichen Wunsch mit Aufsätzen
arbeiten und den Haarschnitt über den Kamm geführt und nicht einfach der Kopfform nachsägend erarbeiten, sind die meisten Kunden sehr interssiert und wollen mehr darüber hören. So kommen wir schnell in ein Beratungsgespräch, in dem wir den Kunden erklären können, welche Vorteile er durch das Arbeiten mit Maschine über den Kamm geführt haben wird!

Nicht falsch verstehen, auch wir arbeiten mit Haarschneidemaschinen und erkennen die Arbeitserleichterung dieser Gerätschaften klar an!

Nur Kunden die reine Maschinenschnitte wünschen, (also alles eierrund auf eine Länge) bekommen mit Aufsatz geschnitten… ausschließlich von Azubis im 1 -2 Lehrjahr für ca. 8.50€!

OK… ich weiß was jetzt kommt!

“Ich schneide sehr gerne mit Aufsatz und kann auch mit einem Aufsatz sehr gute Haarschnitte machen!!”

Das glaube ich glatt und würde auch niemals behaupten, dass das Schneiden mit einem dem Aufsatz auf Garantie einen schlechteren Haarschnitt verursacht (vorausgesetzt der Friseur weiß was er da so tut) … aber es gibt einen ganz einfachen Grund warum ich das massiv ablehne und der ist eben nicht so einfach wegzudiskutieren!

Mal eine Sicht auf eine andere Branche, der es auch gerade nicht so gut geht!

Alle regen sich auf, über die vielen billigen Backshops bei z.B. Penny, Aldi, Lidl und Co.
Die armen Bäcker, da wird den Kunden für einen Bruchteil von dem, was das Brot beim Bäcker kostet, frisch gebackenes Brot geliefert.

Das Ganze wäre aber eigentlich nicht so schlimm, wenn viele Bäckereien nicht ganz einfach den gleichen Mist backen täten, wie die Discounter. Natürlich kaufen die Kunden dann das billige Brot bei Aldi und Co., denn es gibt oft kaum oder gar keinen Unterschied zu dem Brot, was man bei manch einem Bäcker um die Ecke kaufen kann. Oft werden die Teiglinge sogar in der gleichen Fabrik in Polen oder Asien hergestellt, tiefgefroren und an die Firmen geliefert.

Ich frage mich seit Jahren warum die Bäckereien nicht einfach auf Qualität setzen, Brot backen wie früher ohne Zusätze auf Natur-Basis und alter Back-Tradition und langer Teigruhe für Bekömmlichkeit und Geschmack? Nein alle Welt will nun Glutenfrei, dabei haben die Bauchschmerzen nach dem Brot nichts mit Gluten zu tun, sondern mit der miesen Backqualität.

Hier bei uns in Lüneburg arbeitet eine kleine Bäckerei genau wie beschrieben. Sie bieten nur 4 bis 5 Brot- und 4 Brötchensorten an und backen traditionell ohne chemische Zusätze oder künstlichen Treibmitteln und halten lange Teigruhen ein. Um Punkt 14 Uhr ist der Laden leer gekauft und wird geschlossen.
Ergebnis…

Mittlerweile kann diese kleine Bäckerei die Nachfrage gar nicht mehr erfüllen. Die Kunden stehen morgens Schlange und Großaufträge müssen mindestens eine Woche im Voraus aufgegeben werden, damit sie diese überhaupt erfüllen können.
Das dunklere Brot von denen schmeckt auch nach einer Woche, richtig gelagert, immer noch so gut, wie am ersten Tag. Ich kaufe mein Brot nicht mehr woanders und ich gebe gerne etwas mehr Geld aus, für dieses tolle Brot.

So und eigentlich brauche ich gar nicht mehr so viel dazu schreiben!

Wir alle regen uns über die vielen Billig-Salons auf… aus allen Ecken hüpfen gerade unglaublich viele billige Barbershops aus dem Boden und bieten Haarschnitte z.T. für weniger als Döner an!

„Was machen diese Salons so?“

Sie rasieren in Windeseile mit dem Aufsatz… denn einen Haarschnitt über den Kamm geführt, können solche „Friseure“ (meist ohne Ausbildung), gar nicht! Eine Haarschneideschere nehmen diese „Kollegen“ fast nicht in die Hand!

„Und was machen wir?“

Wir sägen genau wie die Billigläden und Barbershops mit Aufsatz und bieten unseren Kunden oft nicht mal ansatzweise mehr an Service… und wollen dann mehr Geld dafür verlangen?

Dann wundert Euch nicht, wenn Eure Kunden dann doch für weniger Geld zum Billigbarber oder der Discounterfiliale gehen!

Denn Kunden, die Qualität haben möchten, wollen nicht das Gleiche für mehr Geld, sondern sie wollen eben auch echte Handarbeit, echtes Handwerk und einen Haarschnitt, der nicht nur nach Haare abmachen ausschaut!

Haareschneiden, mit Maschine über den Kamm geführt, eine perfekte Beratung und Aufwertung meiner Arbeit, in dem ich dem Kunden mitteile, warum sein Haarschnitt nun einzigartig ist. Warum seine Frisur nun länger halten wird und ganz wichtig, welche Vorteile es ihm bringt, da wir stets ohne Aufsätze arbeiten.

Das Ganze hat etwas mit Proportionen zu tun. Hier wird nicht nur die Kopfform nachgesägt, sondern der Frisur eine eigene Dynamik verliehen, in dem man die Kopfform ausgleicht, Wirbel mit speziellen Schneidetechniken in die Frisur anbaut! So schaffe ich für den Kunden ein ganz neues Gefühl für Formen und Styling und erleichtere ihm seinen Alltag, da auch das Styling so viel einfacher von statten geht!

Ich mache nicht nur tollere Haarschnitte, sondern erkläre ihm ganz genau, warum und was ich genau mache und welche Vorteile er dadurch hat!

So bekomme ich Kunden, die meine Arbeit wertschätzen und diese eben nicht beim billigen Kollegen um die Ecke machen lassen können! Und vor allem bekomme ich Kunden, die auch sehr gern etwas mehr dafür bezahlen! Das führt dann auch automatisch zu höheren Löhnen, geringere Belastung für die Mitarbeiter und vor allem auch mehr Zeit und Finanzen für Fort und Weiterbildung. Es geht mir einzig und alleine um Abgrenzung – jeder der nun auch weiterhin mit Aufsätzen rasieren, sollen dies doch gerne tun, meine Philosophie und meine Preisstruktur lassen solch eine Arbeit, wie ich finde, nicht mehr zu!

Und ja, ich weiß, dass sich jetzt viele Kollegen hier aufregen und sich für das Schneiden mit Aufsatz vehement einsetzten werden!

Ja, der Fadecut muss nun mal aufgesetzt werden! Und was viele tolle Barber hier an echter Kunst leisten, finde auch ich phantastisch… aber es ghet um “Hand”werk und dies beherrschen solche “Friseure” aus dem FF und dies hat nichts mit den angelernten “Barbieren”, die in nicht meistergeführten Läden billig Haare abmachen, zu tun!

Ja… auch das weiß ich… trotzdem schneide ich den gesamten Haarschnitt wie oben beschrieben vor und setzte dann ganz am Ende den Fade mit aufgesetzter Maschine und habe so eigentlich schon einen fertigen Übergang… es gibt also immer auch hier Möglichkeiten, seine Arbeit aufzuwerten!

UND GUT- ich habe nie gesagt, das ihr nicht mit Aufsatz arbeiten sollt, oder eure Haarschnitte mit Aufsatz nicht gut werden!

Nur, ich will mich vom billigen Rest abheben, dann kann ich das aber nur, indem ich eben anders arbeite, als der billige Rest!

Denn für den Kunden ist erst mal – Haarschnitt gleich Haarschnitt.

Erst wenn Ich es anders mache als der billige Rest und dem Kunden dies auch mitteile,  wird dieser meine Arbeit auch anders wahrnehmen und dann auch zu schätzen wissen!

By | 2019-07-22T09:04:38+02:00 4. Juni 2019|Allgemeines, Aus unserem Salon, Tipps & Tricks|4 Kommentare

About the Author:

Friseurmeister und Inhaber des Friseursalons Haarchitektur in Lüneburg. Dozent und Prüfer in der Meisterschule der Handwerkskammer Lüneburg (Braunschweig-Lüneburg-Stade). Fachautor, Social Media Experte unabhängiger Fachtrainer, Choach & Berater, Seminarleiter für die Beautybranche.

4 Kommentare

  1. Gitta Meisel 4. Juni 2019 um 14:03 - Antworten

    So ganz kann ich das nicht unterschreiben! Ich habe bei meinem alten Lehrmeister das Maschineschneiden bis zum erbr…. gelernt und glaube, einen perfekten Haarschnitt auch mit Hilfe der Maschine ausführen zu können. Übergänge( Nacken) sind doch mit Kamm und Schere nie so sauber hinzukriegen wie mit Maschine! Es ist wirklich ein zweischneidiges Schwert- wenn ich es richtig kann, ist der Weg nicht so vordergründig!

    • Christian Funk 5. Juni 2019 um 7:06 - Antworten

      Ich befürchte, wir haben noch ganz andere Probleme in unserem Beruf – die das Erste beginnt damit, das Friseure zum großen Teil nicht lesen, oder das was sie lesen nicht verstehen können! Da werden mir Sachen vorgeworfen, oder Fragen gestellt, die ich nie geschrieben, oder ganz klar in dem Beitrag angesprochen habe! Beispiel: Wo habe ich geschrieben, das ich nicht mit Maschine schneide? Da kämpfen Kollegen vehement und z.T. beleidigend um ihre Meinung, die ich nie angezweifelt habe! Aber die Kollegen bringen Argumente dafür, dass sie ihre Dienstleistung im Auge des Kunden abwerten in dem sie das gleiche Schnitterlebnis liefern wie die billigen Kollegen! Wer Qualität verkaufen will und dafür auch einen angemessenen Preis, für angemessene Löhne aufrufen möchte, der muss etwas anderes liefern, als gleiche Arbeite beim Billigfriseur – für den Kunden gibt es sonst nämlich keine Unterscheidungsmöglichkeit! Und wer das nicht möchte soll dann einfach so weiter machen! Ich habe nirgends geschrieben, das der Schnitt mit Maschine und Aufsatz zwangsläufig schlechter sein muss – nur dass dieses Arbeiten für den Kunden so ausschaut, als könne Mutti das zuhause auch alleine. das wertet unsere Arbeit somit entschieden ab! Aber jeder soll, darf und muss das machen, was er möchte, soll dann aber nicht das Jammern anfangen, wenn Kunden lieber zum Billigfriseur gehen, weil er die vermeintlich gleiche Arbeit dort zu weniger als die Hälfte bekommt! Wir sollten wieder lernen Qualität zu verkaufen und uns und unsere Qualität für unseren Beruf abgrenzen!

  2. Marco Schnabel 4. Juni 2019 um 16:14 - Antworten

    Lieber Christian,
    Danke dafür, das ist genau der Grund, warum auch bei uns nur in Ausnahmefällen mit Aufsatz geschnitten wird. Gerade Herrenhaarschnitte sind in meinen Augen hohe Handwerkskunst und generieren langjährige treue Kunden – Meine ältesten Stammkunden schneide ich seit fast 30 Jahren…

  3. Helga Irion 4. Juni 2019 um 19:37 - Antworten

    Ja das ist das Übel ! Der Weg ist nicht so vordergründig!
    So kann man das nicht beherrschen eines Kamm und Schere Haarschnitt s auch auslegen.
    Mit Kamm und Schere ist definitiv Übergänge, Konturen und der Rest einzigartig und wird vom Kunden auch belohnt (nicht nur durchs Trinkgeld)

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