Von der Straße zu einem Unterstützer der Barber Angels! (Gastbeitrag Claas Lohmeyer)

Die gute Nachricht zu Beginn des Jahres…

Der Adventskalender in der Facebook-Gruppe Friseure öffnete nicht nur Türchen, sondern auch Herzen…
Hintergrund: Doris Ortlieb, Claas Lohmeyer und Christian Funk, Administratoren Deutschlands größter Friseurgruppe (über 10000 Mitglieder) auf Facebook,
planten vom 01. – 24.12.2107 ein Adventsgewinnspiel für die Gruppenmitglieder im Gesamtwert von über 15000€. Auch Niels Kauffeld beteilige sich mit mehren Gewinnen
der Wristbänder an der Aktion!

Zur Geschichte:

Der erste Dezember rückte immer näher, die Planungen für den Adventskalender liefen auf vollen Touren, da rief mich Niels Kauffeld, seines Zeichens Europachef von Wristband-Arts an. Bis zu diesem Zeitpunkt hatten wir nur über den Messenger geschrieben und besprochen, wie sein Kalendertürchen zu gestalten sei. In unserem Telefonat klärten wir nun die letzten Details und er bat mich um einige Informationen und einen auf den ersten Blick außergewöhnlichen Gefallen.

Er wollte gerne von mir wissen, ob die Barber Angels ein seriöser Verein seien und keine Luftnummer, die sich kurzzeitig ein soziales Deckmäntelchen überwirft, um Publicity zu erheischen. Das konnte ich nur bejahen, denn aus eigener Erfahrung wusste ich mit wie viel Herzblut, Engagement und persönlichem Einsatz die Engel ihren schweren Job verrichten.

„Claas, ich würde die Barber Angels gerne unterstützen, möchte aber aus sehr persönlichen Gründen nicht selbst in Erscheinung treten“, erklärte er mir.
„Könntest Du nicht die Spende veranlassen und mich aus der Sache vollkommen herauslassen?“

Dem Wunsch nach Anonymität, ich in der Rolle eines Mittelsmanns und das begründet mit einem sehr schwammigen Argument konnte ich natürlich nicht entsprechen.

Warum wollte Niels nicht namentlich bekannt sein? Warum nicht als Unterstützer der guten Sache in Erscheinung treten? Ich erklärte ihm, dass dies nun nicht ginge und fragte warum es denn für ihn überhaupt wichtig sei. Eine Antwort bekam ich nicht, sondern lediglich die Bitte ihm einige Tage Zeit zu geben. Er würde sich bei mir melden.

Zwei Tage später klingelte abends mein Telefon und wie versprochen meldete sich Niels. Was folgte war ein intensives, fast schon intimes Gespräch rund um seine Lebensgeschichte, die mich beeindruckte und berührte. Als wir nach gut 2 Stunden auflegten, war ich dankbar und zugegebenermaßen ergriffen, dass dieser eigentlich vollkommen Fremde seine Geschichte mit mir geteilt hatte und auf einmal verstand ich, aus welchem Grund ein seriöser Geschäftsmann nicht in Erscheinung treten wollte.

Es folgten viele weitere Telefonate in denen ich Niels zuhörte, ihn bestärkte und Ihn bat seine Geschichte mit Euch teilen zu dürfen. An dieser Stelle mein ehrlicher Dank, denn für so viel Offenheit, bedarf es echter Größe.

Claas:

Niels, danke, dass Du Dir die Zeit für dieses kleine Interview genommen hast. Mir ist bewusst, dass dies nicht leicht für dich ist, aber glaube mir wenn ich Dir sage, dass es niemand negativ auffassen oder gar Dich verurteilen wird. Aus unseren intensiven Vorgesprächen weiß ich, dass Du die Arbeit der Barber Angels von Anfang an verfolgst und es Dir eine Herzensangelegenheit ist die Engel zu unterstützen. Warum aber Dein ursprünglicher Wunsch anonym zu bleiben?

Niels:

Scham…

Es gibt da einen Abschnitt in meinem Leben, der war mir immer unangenehm. Wie ein Schandfleck in meiner Vita. Etwas, dass nur wenige, sehr enge Freunde von mir wissen. Ich war selbst 2 Jahre meines Lebens obdachlos und lebte auf der Straße. Die härteste Zeit meines Lebens. Eine Zeit auf die ich nicht stolz bin, die mich aber auch vieles gelehrt hat.

Claas:

Magst Du uns erzählen wie es dazu gekommen ist?

Niels:

Mit 16 lief ich aufgrund familiärer Problem von zu Hause weg. So etwas wie eine glückliche Kindheit durfte ich niemals erleben. Als es dann irgendwann zu viel wurde, da nahm ich einfach meinen Rucksack, stopfte ein paar Klamotten rein und bestieg den Bus. Mein erstes Ziel sollte ein Kumpel in Marburg sein, bei dem ich ein paar Tage Unterschlupf finden wollte. Da machten mir dann aber seine Eltern verständlicherweise einen Strich durch die Rechnung und als sie das Jungendamt anrufen wollten, lief ich abermals davon. Meine erste Nacht ohne Obdach verbrachte ich dann auf dem Marburger Zentralfriedhof. Danach begann dann die Abwärtsspirale. Minderjährig auf der Flucht geriet ich zunächst an den Alkohol. Ein scheinbar probates Mittel um der Tristesse zu entfliehen. Was dann folgte ist fast schon klassisch zu nennen. Ich kam auf Drogen und zur Befriedigung der eigenen Sucht fing ich an zu klauen und zu dealen. Beschaffungskriminalität wie man sie kennt.

Claas:

Wie ist das Leben auf der Straße wie war diese Zeit für Dich?

Niels:

Man wird zu einem Aussätzigen. Die Gesellschaft nimmt Dich nicht mehr als Menschen wahr. Man guckt Dich schräg, zuweilen gar angewidert an, weil Du Deine Kleidung nicht waschen konntest, weil Du stinkst und dreckig bist. Im Supermarkt wirst Du von jedem beobachtet, denn alle wissen, dass Du klauen willst, weil Du eh kein Geld hast.

Claas:

Wie ist es dir gelungen Dich wieder nach oben zu kämpfen?

Niels:

Es gab ehrlicherwiese kein Schlüsselerlebnis. Eines Morgens wachte ich einfach auf und wusste, dass es so nicht weiter gehen konnte. Noch am selben Tag ging ich zu einem Fahrradkurierdienst, der ein Schild mit einem Stellenangebot im Schaufenster stehen hatte, das ich kurz zuvor gesehen hatte. Ich nahm all meinen Mut zusammen, betrat das Büro und stellte mich vor.
Da stand nun der Obdachlose einem cholerischen Griechen gegenüber, der mich skeptisch musterte, und fragte, ob ich überhaupt in der Lage sei Fahrrad zu fahren. Warum er mir dann eine Chance gab, dass weiß ich nicht, aber ich sollte Montagmorgen pünktlich um 8:00 mit meinem Fahrrad da sein. Ein Fahrrad besaß ich nicht, konnte mir diese Chance auf einen Neustart aber auch nicht entgehen lassen und so klaute ich mir eines in Erfurt.
So ging es dann los. Ein Junkie auf kaltem Entzug, der gerade noch einmal 60 kg wog, und jeden Tag 80 Kilometer auf dem Fahrrad verbrachte. Das konnte natürlich nicht gut gehen und nach einer Woche bekam ich die Quittung. Mein gesamter Körper streikte und schmerzte durch den Entzug und die ungewohnte Belastung. In der Zwischenzeit hatte mir mein Arbeitgeber ein Zimmer organisiert und stand nun die nächsten 14 Tage jeden morgen an meinem Bett und machte mich zur Sau. Wann ich endlich zur Arbeit antreten wolle, ich müsse mich zusammenreißen, usw. Das zeigte Wirkung. Ich arbeitete dann noch drei Jahre als Kurier, holte meinen Schulabschluss nach, begann meine Ausbildung zum Friseur und machte mich schließlich selbstständig.
Heute bin ich verheiratet, habe zwei wundervolle Kinder und bin dankbar, dass ich die Kurve gekriegt habe.

Claas:

Und nun hast Du etwas geplant, von dem Claus Niedermaier, Chef der Barber Angels noch rein gar nicht weiß. Claus wir müssen Dir an dieser Stelle ein Geständnis machen, denn wir haben hinter Deinem Rücken, zusammen mit Deiner Pressechefin Gaby Günther etwas geplant. Niels worum geht es?

Niels:

Lieber Claus, liebe Barber Angels ich möchte Euch anbieten, dass ich von JEDEM Wristband, dass bis zur TopHair verkauft wird, eine Spende in Höhe von € 5,– mache. Damit möchte ich Eure tolle Arbeit unterstützen und Menschen die so sind, wie ich einmal war eine Chance geben!

Claas:

Ich danke Dir für dieses Gespräch!

By | 2018-02-16T10:43:11+00:00 3. Januar 2018|Allgemeines|0 Kommentare

About the Author:

Friseurmeister und Unternehmer betreibt den Friseursalon Lohmeyer.Hair.Style in Bremerhaven, Coach und Trainer für Friseure und gibt mit Christian Funk deutschlandweit Seminare für Friseure.

Hinterlasse einen Kommentar