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Wie verdienen die an „Billig“? Preis/Gewinn Vergleich im Friseurhandwerk!

Immer wieder höre und lese ich von Kunden, denen aufwendige Dienstleitungen anscheinend viel zu teuer sind! Billig-Friseure bieten  für diese Kunden eine sinnvolle Alternative, aber ob es dann wirklich eine Gute ist, klären wir hier! Klar, das neuste Smartphone darf gerne 600-800 € kosten, aber ein schöner Haarschnitt oder eine tolle Haarfarbe, incl. Glanz und gesundem Haar, das soll doch bitte zum Discountpreis rausgehauen werden!

Wird dieses Thema dann z.B. in meinem Kunden-Friseur-Portal (Facebook) angesprochen, kommen dann, wenn man dem Kunden versucht zu erklären, welch negative Auswirkungen dies hat, ganz komische Aussagen, von so manchem Kunden! Aber stellen wir mal den 60% der Kunden, die beim Friseur unzufrieden sind eine Frage… z.B.

Na, auch unzufrieden mit der Haarfarbe?

Na auch unzufrieden mit der Haarfarbe? Dann stellt sich die Frage, ob die Billgvariante eine gute Wahl war!

Na auch unzufrieden mit der Haarfarbe?
Dann stellt sich die Frage, ob die Billgvariante
eine gute Wahl war!

Dann muss man sich fragen, ob die Billigvariante eine gute Wahl war!

Nun wird´s drollig, denn was  so mancher  Kunde von sich gab, zeigt auf, dass leider viele Verbraucher ein vollkommen gestörtes Werte- und Preis-Verständnis haben!

Da ist man der Meinung, dass ein guter Friseur der einen Preis von 100€ für eine komplette Strähenbehandlung reichlich überteuert wäre! Dass sich ein normaler Mensch solche Preise nicht leisten könnte und wenn denn wenigsten die Mitarbeiter etwas davon hätten und sich nicht der Chef die Taschen vollstecken würde!

Hier wird ein Klischee bedient, welches ich leider immer wieder höre und das mich schon seit geraumer Zeit ärgert und auch aufzeigt, wo hier der Denkfehler ansetzt!

Auch werden immer wieder lustige Bilder von Preisschildern, mit wirklich billigen Preisen in den Facebook-Friseur-Gruppen gepostet und daraufhin wild diskutiert!  Selbst hier wird teilweise unter den Friseuren gezickt und gehetzt!

Auf jeden Fall ist da reichlich Pulver drin!

Wie kann es sein, das die Menschen für die Arbeit eines Handwerkers, der an einem toten Möbelstück oder dem Auto rumwerkelt, bereit sind, horrende Summen auf den Tisch zu legen? Aber für eine so wichtige Arbeit, die an meiner Person ausgeführt wird und so viel positives für meine Persönlichkeit, meinem Selbstwertgefühl und meinem Image hervorrufen kann, nicht mal die Hälfte dieses Geldes als angemessen empfindet?

Ist das nicht alle Handarbeit!?

Alle finden es schlimm, dass eine Bekleidungsfirma bewiesener Maßen mit unmenschlichen Arbeitsbedingungen und völlig unterbezahlten Mitarbeitern, die von ihrer Sklavenarbeit nicht mal leben können, ja sogar mit Kinderarbeit, reichlich Profit erwirtschaften!

Fast jeder den ich kenne ist zutiefst empört und entsetzt, wenn mal wieder so ein Horrorbeitrag im TV läuft! Aber anscheinend gehen immer noch genügend Menschen dort ihre Klamotten kaufen. Denn diesen Firmen geht es immer noch ziemlich gut!!

Noch immer ist es in den Köpfen vieler Verbraucher nicht angekommen,  wenn der Preis eklatant niedrig ist, die Kosten dann auch irgendwo eingespart werden müssen! Und es lässt sich nun mal nur an der Qualität und am Lohn der Mitarbeiter sparen!

 

Soll es „billig“ sein, dann muss(!) der Unternehmer an der Bedienungszeit, an der Qualität der Arbeit und an einer menschenwürdigen Bezahlung sparen!
Das an der Qualität der Dienstleistung gespart wird, merkt der Billig-Kunde spätestens
dann, wenn sich der (extrem) geringe Preis eben auch in der entsprechend geringen,
qualitativ inakzeptablen Arbeit widerspiegelt!

Damit es schön schnell geht (Zeit ist Geld) wurden der Kundin die Haare bei einem Discountfriseur mit 12% blondiert... Ergebnis: EXTREMER HAARBRUCH

Damit es schön schnell geht (Zeit ist Geld) wurden der Kundin die Haare bei einem Discountfriseur mit 12% blondiert… Ergebnis: EXTREMER HAARBRUCH

 

Dass an den Löhnen der Mitarbeiter gespart wird, kann sich zwar jeder denken, aber wahrnehmen wollen die Leute dies dann lieber nicht!

Zwei kleine Rechnungen (Gewinn Vergleich) mit Blick auf die Unterschiede

Gehen wir mal von einem Friseur, mit durchschnittlichen Preisen und der zur Zeit Mindestbezahlung von 8,50 € pro Stunde aus.

Und setzen wir mal „meinen“ Salon dagegen, mit höheren Preisen, Qualitätsprodukten, Zeit für Beratung und liebevollem Service, regelmäßigen Schulungen und vor allem mit einem deutlich überdurchschnittlichem Stundenlohn von ca. 12€!

Foliensträhnen: Komplett, Nacken bis Oberkopf, Ansatz, Längen und Spitzen!

(hierbei sei gesagt, dass Foliensträhnen eine der aufwendigsten Dienstleistungen im Friseurhandwerk darstellen. Um hier ein gleichmäßiges Bild zu erzielen, ist ein sehr sauberes und individuelles Arbeiten Pflicht, oft steht man 1 – 1 1/2 Std hinter dem Kunden, Beine und Knie sind hinterher steif und schmerzen)

Kosten laut einer bekannten Billigkette, die auch hier in Lüneburg vertreten ist 68.00 €. (eben am Telefon erfragt) Bei mir im Salon mit Spezial-Blondierung mindestens  109€ incl. Haarpflege, Kopfmassage und Beratung.
(mittlerweile schon wieder deutlich teurer, aber auch verdienen meine Mitarbeiter deutlich mehr!)

Günstiger Salon

 

Beratung: ca.   5 min  
Auftragen: ca. 70 min. Akkordarbeit unter normalen Umständen kaum zu schaffen!
Abwaschen: ca.  5 min.  
Haarpflege: keine Haarpflege ist eigentlich zwingend erforderlich um alle chemischen Prozesse
nach dem Färbe/Blondier-Vorgang zu beenden, wenn nicht neutralisiert wird, kann es zu Farbverschiebungen kommen!
Dieser Service kostet aber natürlich extra! ca. 13€
Kopfmassage: keine  
Gesamtarbeitszeit 75 min. aufgerundet  bei 8,50€ pro Stunde, 10€ + 40% Arbeitgeberanteile und andere Lohnnebenkosten. Auch die Einwirkzeiten sind kürzer, das in diesen Unternehmen mit deutlich höheren H²O² Konzentrationen gearbeitet wird, um das Aufhellungziel schneller zu erreichen! Das ist nicht nur deutlich schädlicher, sondern führt auch nicht unbedingt zu einem besseren Ergebnis, ähnlich wie beim Kochen mit zu hohen Temperaturen!
Lohnkosten 14,94€ bei 8,50€
Materialkosten: 2,50€

ca.    70g  Standard-Blondierung 500g kosten ca. 10€
Material insgesamt incl. Shampoo

Gemeinkosten: 22% 14,96€ Miete, Strom, Wasser, Müllabfuhr, Heizung, Kaffee, Telefon etc.
MwSt  19% 10,86€
Gewinn vor Steuer 24,75€

 

Mein Salon
Beratung: 15 – 20min.  
Auftragen: ca. 90 min. wenn man von wirklich schneller und trotzdem präziser Arbeit ausgeht, hierbei wird mit unterschiedlichen H²O² Konzentrationen  gearbeitet und die
Blondierung wird auch unterschiedlich dick aufgetragen, um bei unterschiedlicher Einwirkzeit und unterschiedlicher Haarstruktur
(Längen und Spitzen nehmen schlechter an, da stärker verhornt) eine gleichmäßige Aufhellung zu zielen, ist diese Zeit schon sehr knapp bemessen.
Auch ist die Einwirkzeit deutlich niedriger, da wir mit 1,5 – 3 % H²O² arbeiten und 6% bei Blondierung so gut wie nie übersteigen!
Abwaschen: ca.   5 min.  
Haarpflege: ca.   2 min.  
Kopfmassage mind.  8 min. incl. richtigem Auswaschen der Haarkur Gesamtarbeitszeit mind. 125min
bei 12€ pro Stunde, 27€ + 40% Arbeitgeberanteile und andere Lohnnebenkosten.
Lohnkosten mind.   35,00€ abgerundet bei 12€ pro Std.
Materialkosten 25,00€ Materialkosten inkl. Shampoo + Haarkur.
ca.70g (z.B. Magma-Blondierung Wella) ca. 35€ – 47€ pro 120g je nach
Einkaufskonditionen, ich berechne 35€. (Abweichend könnte man
 auch
eine normale Blondierung nehmen und hinterher mit einer Pastellfarbe
mattierend abtönen, der Arbeitsaufwand wäre deutlich höher und würde sich
eher negativ auf den Preis auswirken, da Lohnkosten mehr wehtun als das Material.
Gemeinkosten 22% 23,98€ Miete, Strom, Wasser, Müllabfuhr, Heizung, Kaffee, Telefon etc.
MwSt 19% 17,40€
Gewinn vor Steuer 7,62

Hier noch einmal im direkten Vergleich zum besseren Verständnis:

 

Strähnen komplett gesamtes Haar          beim Discount bei mir
Bedienpreis 68,00 € 109,00 €
Stundenlohn 8,50 € 12,00 €
Kalkulierte Zeit in Minuten 75min. 105min.
Beratungszeit in Minuten 5min. 20min.
Gesamtzeit 80min. 125min.
Materialkosten 2,50 € 25,00 €
Umsatzsteuer 19% 10,86 € 17,40 €
Lohnkosten 10,67 € 25,00 €
AG Anteile+ andere Lohnnebenlkosten 40% 4,27 € 10,00 €
Gemeinkosten 22% 14,96 € 23,98 €
Gewinn (vor Steuern) 24,75 € 7,62 €

Andere Rechnung: ein Herren Trockenschnitt

Ich habe jetzt mal die obligatorischen 8,00€ genommen, da hier ja immer so wunderbar darüber diskutiert werden kann!  (auch hier bin ich schon weider deutlich teurer)

Herren Trockenschnitt Billigfriseur bei mir 
Bedienungspreis 8,00 € 23,00 €
Stundenlohn 8,50 € 12,00 €
Kalkulierte Zeit in Minuten 15min. 30min.
Lohnkosten 2,13 € 6,00 €
AG Anteile + andere Lohnnebenkosten 40%

(berechnet auf die Lohnkosten)

0,85 € 2,40 €
Umsatzsteuer 19% 1,28 € 3,67 €
Gewinn (vor Steuern) 1,99 € 5,87 €

 

 

Was hier in die Dienstleistungen gar nicht mit einfließt ist, dass ein Filialbetrieb mit Hunderten von Filialen einen deutlich Fotolia_61797626_XS_copyright verändertniedrigeren Deckungsbeitrag hat! Auch habe ich da einen „Discount Friseur“ bei den Strähnen berechnet.
Bei den Haarschnitten, meinen Betrieb mit einem unter aller Würde billigen Sch…laden verglichen!
Und hier zeigt sich ganz deutlich, das diese Preise vollkommen Menschenunwürdig sind!
Auch zeigt der Vergleich, dass es bei einer anderen Dienstleistung wieder ganz anders aussehen kann! Ich habe mich hier absichtlich nur auf diese beiden Dienstleistungen konzentriert!
Wen es interessiert, kann mit meinen echten (EVA_Panel) Zahlen einfach andere Dienstleistungen ausrechnen!
Aber auch sonst ist der Faktor 1,99€ Gewinn überhaupt nicht stimmig… denn der Faktor geht am Ende gar nicht auf, da wir einen kalkulatorischen Stundensatz errechnen und dieser liegt bei dem Mega-Billigfriseur  bei gerade mal 32,- € wenn die wirklich „ALLE“ 15 Minuten einen Haarschnitt machen! Da sind dann keine Leerlaufzeiten und kein unvorhergesehener Mehraufwand drin!
Aber es zeigt auch, das das Thema Zeit,  besonders bei hohen Löhnen, heftige Auswirkungen hat!

Übrigens: Der Zoll geht bei einem Stundensatz von unter 38 € automatisch von Manipulation aus!!

Diese Rechnung habe ich übrigens mit aktuellen Unternehmenszahlen aus dem Wella-EVA-Panel berechnet, das sind echte Unternehmenszahlen, wie sie in Deutschlands momentane Situation im Friseurhandwerk widerspiegeln!
Ich will hier niemanden an den Pranger stellen, Gewinn zu erwirtschaften ist sicherlich kein Verbrechen, solange dieser nicht auf Kosten der Mitarbeiter generiert wird!
Und wie diese Rechnung ganz klar darstellt, nicht der teure Friseur macht den Reibach, sondern der, der seine Mitarbeiter mies bezahlt. Das findet nun mal in den Discount-Läden deutlich häufiger statt, als in einem guten, aber teureren Friseur-Salon. Schwarze Scharfe gibt es an allen Fronten, aber täglich im Akkord zu ackern und sich für nicht einmal den Mindestlohn den Allerwertesten aufreißen?

Sorry, aber jetzt kloppt ihr mal täglich für 8€, so viele Haarschnitte durch! Für mich unvorstellbar!

Qualität und menschenwürdiges Arbeiten braucht seinen Preis, für wenig Knete kann es auch immer nur wenig Leistung geben, sonst bleibt einer der Parteien auf der Strecke und die Strähnen immer schön gelb oder gleich im Waschbecken!

Für mich ist Fairness das Allerwichtigste!

Veröffentlicht von Christian Funk

Friseurmeister und Inhaber des Friseursalons Haarchitektur in Lüneburg. Dozent und Prüfer in der Meisterschule der Handwerkskammer Lüneburg (Braunschweig-Lüneburg-Stade). Fachautor, Social Media Experte und Fachtrainer für verschiedene Firmen der Beautybranche.

3 Kommentare

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Klaus-Dieter Kochanski

Vielen Dank für die sehr gute Erklärung.
Ich finde es auch nur zum Kot…
Ich gehe sogar soweit, ich behaupte das die Einzelunternehmer die gute Gewinne und ehrlich und gut Ihre Mitarbeiter bezahlen in der Minderheit sind. Ich erwarte Respekt von meinen Kunden und Anerkennung für unsere Arbeit, ich freue mich wenn ich auch Geld verdiene wie sie. In diesem Sinne frohes Schaffen.

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Meike Siegismund

Sehr guter Beitrag. Die meisten verstehen es trotzdem nicht. Ich bezahle auch übertariflich und muss sagen das ich es mir niemals vorstellen könnte, meine Mitarbeiter auszubeuten, einfach weil ich mich noch sehr gut daran erinnern kann, wie ich mich dabei gefühlt habe als ich noch Angestellte war! Leider vergessen das viele! Dieser Beitrag wird direkt mal geteilt 🙂 Danke!

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Christian Funk

Sicherlich nicht… es wird immer solche und solche geben! Menschen die es einfach nicht verstehen können, dass man alles was man gibt auch zurück bekommt! Ich habe vor nun ca. 5 Jahren angefangen die Gehälter meiner Mitarbeiter massiv zu steigern! Da sie aber auch ausreichend Umsatz generieren müssen, war ich natürlich gezwungen auch die Priese deutlich nach oben anzupassen! Ganz am Anfang sogar gegen die Überzeugung meiner Mitarbeiter… ich musste mich sogar von einigen trennen… heute sind wir alle viel glücklicher und freuen und das wir so viele nette und wertschätzende Kunden haben, die durchaus bereit sind einen angemessenen Preis zu zahlen! Die, die ständig jammern und feilschen, kommen gar nicht mehr! 🙂

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