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Kriminalität auf der TopHair 2017 – Fu|Lo Investigativ (Gastbeitrag Claas Lohmeyer)

Auch wenn die Messe Düsseldorf und die Verantwortlichen der Top Hair es gerne unter den Tisch kehren möchten, sehen wir uns im Geist einer freien Berichterstattung dazu verpflichtet auch über die Schattenseiten und dunklen Machenschaften der TopHair 2017 zu berichten. Fu|Lo hat sich noch nie gescheut offene Worte zu finden und auch unangenehme Themen anzupacken. Selbst wenn dies bedeutet, dass wir uns einer unmittelbaren Gefahr aussetzen, wir werden NICHT schweigen!

Zunächst machte die TopHair 2017 den üblichen Eindruck einer Messe auf uns. Neun Uhr morgens, die letzten Messestände wurden eifrig auf Hochglanz poliert und mehr oder weniger wichtige Menschen liefen geschäftig umher. Zeit für Fu|Lo in Ruhe das Terrain zu sondieren. Wo gibt es interessante Neuheiten? Die letzten Showproben ansehen. Erste Freunde und alte Bekannte treffen. Nichts war wirklich ungewöhnlich oder sonderbar, auch wenn Christian anmerkte, dass ihm die Stimmung ein klein wenig gedrückt zu sein schien. Mir fiel lediglich auf, dass erstaunlich viele „Barbershopjünger“ bereits zu dieser frühen Stunde anwesend waren. Dem schenkte ich zu diesem Zeitpunkt  aber keine weitere Beachtung. Ein Fehler wie sich später noch herausstellen sollte.

Wir schlenderten von Stand zu Stand und hörten wie immer wieder die Zahl „180“ und der Name C.N. (Klarname liegt der Redaktion vor) getuschelt wurde. Unsere journalistische Neugier war geweckt. Was hatte es damit auf sich? Nachfragen schienen unerwünscht oder wurden lapidar abgetan. Eine Mauer des Schweigens, bis ein Informant sich vollkommen verängstigt ein Herz fasste und auspackte. Erschütternde Geständnisse eines Insiders.

 

Fu|Lo´s Verdacht fand sich bestätigt und unsere schlimmsten Befürchtungen wurden wahr. Die anwesenden Lederkutten waren nicht nur Barber, sondern auch Member der „Barber Angles“. Die Supporter der Ärmsten der Armen, hatten die TopHair 2017 übernommen. Auf der Mission „Schutzgelder“ zu erpressen, „Schutzgelder“ für die menschliche Würde und ein soziales Miteinander. Bereit Flagge und Chapter zu zeigen für die gute Sache.

 

Fragen an Claus Niedermaier…

 

Fu|Lo:

Claus, was genau sind die „Barber Angles“ und was ist Euer Anliegen?

Claus:

Die Mission der Barber Angels Brotherhood startete im Jahre 2016. Wir haben es uns auf die Kutte geschrieben, Obdachlosen Menschen und Bedürftigendurch einen Haarschnitt Ihr Gesicht und Ihre Würde zurückzugeben. Unser Motto lautet  Charity&Gratitude! In unserem eigenen Leben hatten wir, so viel Glück und Erfolg, dass wir uns verpflichtet fühlen der Gesellschaft etwas zurück zu geben. Ehrlicherweise tun wir das nicht umsonst, denn wir bekommen den größten Lohn, die Dankbarkeit unserer Kunden. Sie bezahlen uns mit einem Lächeln.

Wir sind ein Zusammenschluss meist selbstständiger Friseure aus ganz Deutschland, die sich zusammengefunden haben um einmal in Monat Gutes zu tun. Dann gehen wir auf einen Ride um den Ärmsten der Armen die Haare zu schneiden.  Dabei treffen wir auf die unterschiedlichsten Menschen, an denen so mancher achtlos vorübergehen mag. Sei es die alleinerziehende Mutter von 5 Kindern, die glücklich darüber ist, dass Ihre Kids mit einem tollen Haarschnitt in der Schule auftrumpfen können. Oder der Jurist, der nach dem unerwarteten Tod seiner Frau an den Alkohol kam und mittlerweile auf der Straße lebt. Oder die 84 jährige Rentnerin, die ihr ganzes Leben lang hart gearbeitet hat, nur eine Minirente bezieht, aber zu stolz ist ihre kärgliche Rente aufstocken zu lassen und dem Staat oder ihren Angehörigen nicht auf der Tasche liegen will.

FuLo:

Claus, wie bist Du auf die Idee gekommen, dieses Hilfsprojekt ins Leben zu rufen?

Claus: 

Ich saß an einem kalten Winterabend mit einer Flasche Wein am Kamin und sah fern. Beim Zappen blieb ich bei einem Bericht über Obdachlose in München hängen. Wie verdammt gut ging es mir im Vergleich zu diesen armen Teufeln?! Mich plagte das schlechte Gewissen. Das in Deutschland immer noch hundertausende Menschen ohne Obdach, der Kälte trotzen mussten machte mich betroffen. Was konnte ich ganz persönlich leisten? Würde eine Geldspende mein Gewissen zur Ruhe bringen? Was ich anbieten konnte, war weitaus mehr. Warum hatte ich den Beruf des Friseurs ursprünglich gewählt? Ging es mir nicht immer darum, dass Beste aus einem Menschen herauszuholen, seine schönen Seiten zu betonen und ihm so ein Stück Selbstvertrauen und Selbstwertgefühl zu schenken?

Daraus entstand dann in monatelanger Planung das Hilfsprojekt der „Barber Angles Brotherhood“.

Fu|Lo:

Warum habt Ihr Euch ein „Rockerimage“ zugelegt?

Claus:

Diese Uniform haben wir gewählt um eine unverwechselbare Marke zu schaffen. Wir bewegen uns in einem sehr sensiblen und schambesetzten Umfeld. Menschen im bürgerlichen Leben gescheitert, die mit ihrer Würde ringen, wenn sie ihre Mittellosigkeit preisgeben müssen. Wir wollen diese Ängste nehmen, als Marke dafür stehen, dass wir Anonymität gewährleisten. So respektieren wir z.B. den Wunsch eines jeden Kunden, der nicht auf Fotos oder im Fernsehen zu erkennen sein möchte. Die Würde des Einzelnen ist für uns ein hohes Gut, für dass wir mit unserem Markennamen einstehen wollen.

Fu|Lo: 

Am Rande gefragt, hast Du eigentlich einen Motorradführerschein?

Claus:

Den habe ich in der Tat mal gemacht. Gib mir mal eben einen Augenblick. (Claus wühlt in seiner Brieftasche). Um genau zu sein 1979. Ehrlicherweise habe ich seit diesen Tagen nicht mehr auf einem Bock gesessen. Heute wird es wohl mal noch gerade für ne Mofa langen 😉

Fu|Lo:

Ihr habt bei den „Barber Angles“ einen Mitgliedsbeitrag, andere nennen es Schutzgeld 😉

Wofür verwendet ihr diese Einnahmen?

Claus:

Diese Einnahmen fließen ausschließlich in das Projekt. Wir wollen die „Gute Sache“ vorantreiben und dazu gehört auch Öffentlichkeitsarbeit. So verteilen wir Flyer, lassen Poster drucken, erstellen die Uniformen für unsere Engel und versuchen unser positives Signal in die ganze Republik zu senden. Das reicht natürlich bei weitem nicht aus die Kosten zu decken. Jeder Engel opfert nicht nur seine Freizeit, sondern auch echtes Geld, wenn wir z.B. auf Messen auftreten und Hotel und Fahrtkosten für die gute Sache selbst tragen.

Fu|Lo:

Bekommt Ihr Unterstützung durch Firmen und wie kann man Euch jenseits einer Mitgliedschaft noch unterstützen, wenn man nicht die Zeit hat auf die Straße zu gehen?

Claus:

Für den kleinen Aktionsradius, den unser junges Projekt im Moment noch hat,  haben wir die großzügige Unterstützung der HGA Cosmetics und von Herzinger Schneidepartner München gewinnen können. Wir wollen jedoch im Sinne der guten Sache weiter wachsen und hoffen auf weitere Unterstützer aus der Industrie. Insbesondere Trockenshampoos und „All in one“ Produkte brauchen wir immer, um sie kostenlos an die Bedürftigen verteilen zu können.

Fu|Lo:

Was sagen Deine prominenten Kunden dazu, wenn ein international anerkannter und renommierter Friseur wie Du sich auf die Straße begibt und seine Kunst den Ärmsten zu teil werden lässt?

Claus:

Durchweg positiv. Wer fällt mir spontan ein…Heiner Lauterbach. Muriel Baumeister oder Marie Luise Marjan (Mutter Beimer aus der Lindenstraße), alle haben mich beglückwünscht und mir ihre Unterstützung zugesagt. Du glaubst gar nicht, wie viele Promis Hilfsprojekte fördern  ohne dies an die große Glocke zu hängen.

Fu|Lo:

Was sind Eure nächsten Ziele?

Claus: 

Ganz klar die Expansion. Das Jahr 2017 soll die gute Tat in die ganze Republik tragen. Im Vordergrund steht dabei die Gründung von Chaptern, kleinen lokalen Zusammenschlüssen, von Friseuren, die in unserer Gesellschaft etwas zum positiven verändern wollen. Ich hoffe einfach darauf, dass wir unseren Spirit weiter geben können uns gemeinsam etwas verändern und Schaffen!

FuLo:

Dann wünschen wir Dir ganz viel Glück dabei und bedanken uns für das Gespräch!

Veröffentlicht von Claas Lohmeyer

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