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Ein heikles Thema: Homosexualität im Friseurberuf – oder das Coming Out des Herren R.D.! (Gastbeitrag Claas Lohmeyer)

Die Fu|Lo Verschwörung, oder das „Coming Out“ des Kollegen R.D.

Düsseldorf, 1. April, 16:00 Ortszeit.

Die Frisur sitzt, Fu|Lo im Einsatz auf der TopHair. Gemeinsam mit dem lieben Kollegen Ramin Dell und einigen äußerst attraktiven Kolleginnen stehen wir beisammen. Tolle Stimmung, Smalltalk, Lachen, Spaß haben. 

Ramin entschuldigte sich, da er noch einem Vortrag besuchen wollte und lies Fu|Lo mit den Damen alleine zurück. Ich bewunderte an dieser Stelle das Pflichtbewusstsein des Kollegen Dell. Hart zu sich selbst, kompromisslos in der Sache und nicht den weiblichen Reizen erliegend. Respekt. Ich muss selbstkritisch anmerken, dass es Fu|Lo an dieser Stelle an der nötigen Disziplin mangelte. Wir frönten zu diesem Zeitpunkt lieber dem Hedonismus.

Das entschwinden des Kollegen Dell wurde mit allgemeinen Bedauern zur Kenntnis genommen und weiter ging es mit „fachlichen“ Gesprächen, bei denen es sich unter anderem darum drehte, welche Bar, Kneipe oder Club man denn zu späterer Stunde noch aufzusuchen gedenke.

Diese Konversation riss jedoch kurze Zeitspäter abrupt ab, da die Aufmerksamkeit der Damen abgelenkt wurde. Ein 2 Meter Adonis, Typ Armani-Modell schlenderte vorbei. Der weibliche Genpool schlug Purzelbäume. Sekunden später steigerte sich diese Basiserregung dann in eine sanfte Form der Ekstase, als ein weiteres Männchen, ausgestattet mit ähnlichen körperlichen Attributen, die Lichtung vor dem Stand des ZDF betrat. Ich muss ehrlicherweise zugeben und neidvoll anerkennen, dass es sich um Prachtexemplare unserer Gattung handelte.

Die weibliche Begierde erlosch jedoch schlagartig, als die Herren der Schöpfung sich in die Arme fielen und innige orale Zuneigungsbekundungen austauschten, was von den Damen mit:

„Die besten sind schon vergeben oder schwul.“ kommentiert wurde.

In diesem Moment wurde eine spontane Idee geboren, die für den weiteren Verlauf dieses Tages und der sich anschließenden Nacht von entscheidender Bedeutung sein sollte. War nicht der erste April? Hatte unser persischer Freund uns nicht erst vor wenigen Wochen übelst in einem Whatsappchat auf die Schippe genommen? War es nicht Zeit ihm das Heim zu zahlen? Ich setzte die Betroffenheitsmiene auf und gab im ernsten Ton zum Besten:

„Seit so gut und haltet Euch mit solchen Äußerungen zurück, wenn der Ramin da ist.“

Unverständliche Blicke wurden mir entgegengeworfen.

„Unter uns, der Ramin ist selbst schwul, kann aber aufgrund seines kulturellen und familiär, religiösen Hintergrundes nicht offen dazu stehen. Er hat sich Christian und mir auch erst vor einigen Wochen offenbart. Seid so gut und sprecht das Thema Homosexualität nicht an. Das macht Ramin traurig und dann zieht er sich zurück. Tut mir bitte den Gefallen.“

Christian stieg spontan ein und wischte den letzten Hauch eines Zweifels beiseite, als er erklärte, dass er Ramin eine ganze Nacht lang Mut zugesprochen habe. Er solle endlich sein Leben so führen, wie er es will! Das auch er ein Recht auf sexuelle Selbstbestimmung habe und man ihm sein Glück nicht nehmen dürfte. Es sei auch viel von Ramin geweint worden.

Die Tränen eines Mannes wurden nicht mehr in Frage gestellt und das hochheilige Versprechen abgenommen das Thema möglichst nicht zu erwähnen.

Düsseldorf, 24:00 Uhr, Nachtresidenz.

Die Frisur sitzt nicht mehr perfekt. Die Messeberichterstattung wurde soeben eingestellt. Das „Ratpack“ ist mit den Damen im angesagtesten Club der Stadt. Die Stimmung kocht, Friseure feiern. Kollege Dell ist gemäß Selbstwahrnehmung „Man of the night“! Die Damen tanzen ausgelassen mit ihm, er wird geradezu auf das Parkett gezerrt. Ein Drink folgt dem Nächsten, man scherzt, man lacht, ist ausgelassen.

Einzig befremdlich sind für den Kollegen Dell sind die Fragen der Damen wie ihm denn unsere männliche Bedienung gefiele oder ob der “süße“ Latino unten auf der Tanzfläche nicht zum anbeißen sei.  Die Kolleginnen haben offensichtlich beschlossen dem armen, gebeutelten Ramin einen tollen Abend zu bereiten und versuchen ihm dezente Brücken für ein Cumming Out zu bauen. Kollegin M.C. geht da handfester zu Werke und  haut ihm mit den Worten: „Ramin, unter Friseuren ist das doch vollkommen ok!“, auf das Hinterteil. Kollege Dell wirkt ab diesem Zeitpunkt verwirrt.

Düsseldorf, 2:00, gestiegener Alkoholpegel, immer noch Nachtresidenz.

Kollege Dell geht austreten. Fu|Lo nutzt die Gunst der Stunde und beschließt Ramin als „Damenwäscheträger“ zu outen. Die Damen zeigen sich amüsiert. Wir bringen abermals die Ernsthaftigkeit des Themas zur Sprache, bitten um Diskretion und berichten kurz über seine Schwierigkeiten an entsprechende Damenunterbekleidung zu gelangen. Insgeheim hoffen wir auf Hilfsangebote der Kolleginnen.

Düsseldorf, 2:30, die Stimmung auf dem Siedepunkt.

Kollege Dell taucht wieder auf. Alle Rätseln wo er geblieben sei. Es stellt sich heraus, dass er eine flotte Sohle aufs Parkett gelegt hat, was von Kollegin C. mit „Vogue“ und passender Handbewegung kommentiert wird.  Allgemeine Heiterkeit bricht unter den Beteiligten aus. Kollege Dell ist mit der Situation sichtlich überfordert. Leider bleiben Hilfsangebote der Damen bzgl. der Beschaffung geeigneter Dessous aus. Fu|Lo ist ein klein wenig enttäuscht! Kollege H.K. nutzt geschickt eine Säule als Ankerpunkt aus, da alleine stehen so seine Schwierigkeiten macht.

Düsseldorf, 4:30, PAAAARTY!

Kollege H.K. lehnt nach wie vor gegen die Säule. Die vergangenen zwei Stunden hat er sich nicht mehr gerührt. Offensichtlich ist er in eine Schreckstarre verfallen. Kollegin M. berichtet angeregt darüber, dass dies bei dem Hamster ihrer kleinen Schwester auch so war. Ein Blick zur Säule lässt die Kollegen eindeutige Ähnlichkeiten des Kollegen H. K. mit einem Hamster finden. Die Spontane Idee des Kollegen Funk H.K. entsprechend einem Hamster einzufärben trifft auf allgemeine Zustimmung. Die Umsetzung scheitert an nicht vorhandenem Material.

Düsseldorf, 5:21, Zeit der Aufklärung.

Kollege H.K. hat sich nach wie vor nicht bewegt. Erste Schätzungen zu seinem Gewicht werden abgegeben, um die Traglast zu berechnen. Kollege Dell glaubt mittlerweile daran sein „Mojo“ verloren zu haben. Der Zeitpunkt der Enthüllung ist gekommen. Feierlich verkünden Fu|Lo der Gruppe, dass Ramin gar nicht schwul sei. Kollege Dell wirkt für einen kurzen Moment paralysiert. Dann trifft ihn die Erkenntnis und so manches Ereignis der vergangenen Nacht erscheint plötzlich in einem vollkommen neuen Sinnzusammenhang. Kollege Funk brach an dieser Stelle zusammen. Ich habe Christian niemals zuvor so Lachen gesehen. Kollege Dells Kommentar im O-Ton:

„Ihr scheiß Kakckvöge!“ Danach brach er dann ebenfalls in sich zusammen und lachte Tränen.

Auch ich kann nicht mehr.

Düsseldorf, 6:00, Friseure verstehen es zu feiern.

Die Traglastberechnung erweist sich als nützlich. Kollege H.K. konnte sich bislang nicht dazu durchringen sich zu bewegen. Nun bewältigt er die Treppe Richtung Ausgang mittels tatkräftiger Unterstützung der Security. Wir stolz auf ihn und sein Name wird noch von folgenden Friseurgenerationen mit Ehrfurcht in der Stimme genannt werden

Danke, dass ich solch tolle Kollegen als meine Freunde bezeichnen darf und ich mit Euch so einen Sch… bauen kann.

P.S. Christian und ich haben nun Angst vor der orientalischen Rache, Thema verletzte Ehre und so… 😉

Veröffentlicht von Claas Lohmeyer

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