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Der Haarschnitt! Das kann doch jeder…

Immer wieder begegnen mir Kunden, die von einem Friseur zerhackstückelt wurden und zum Teil  traumatisiert und ängstlich sind, besonders im Langhaarbereich ist dies keine Seltenheit!

Hier muss man erst einmal wieder Vertrauen aufbauen und dem Kunden mit beruhigenden Worten und Erklärungen klar machen, dass es auch anders geht!

Aber wo sind denn überhaupt die Probleme? Ich will nicht über Kollegen herziehen, die einen Haarschnitt mal nicht perfekt hinkriegen, oder mal etwas zu kurz oder ein wenig ungleich geschnitten haben, denn ich bin der Meinung, dies passiert auch den Besten!
Denn wir sind alle nur Menschen und wir machen Handarbeit, da wird kein Haarschnitt genau wie der andere sein!
Außerdem gibt es die sogenannte Tagesform und einen schlechten Tag kennt leider jeder mal!

Nein, ich möchte auf solche Haarschnitte eingehen, genau konträr zum  Kundenwunsch gearbeitet!

Der Haarschnitt

Nicht nur weil man nicht zuhört, oder einfach nur sein Ding durchzieht, sonder weil einfachste Fähigkeiten und Fachwissen, nicht vorhanden sind.

Zu kurz geschnittene Wirbel, unproportional geschnittene Formen, das Volumen genau an den Stellen, wo der Kunde sie garantiert nicht braucht und dort entfernt, wo man das Volumen gerne hätte! Üble Stufen und Absätze,  ausgefranzte Spitzen, die besonders bei feinen, welligen oder gar lockigen Haaren aussehen als wäre da jemand von Ratten angefressen worden!

Da denkt sich der Kunde eigentlich, dass jeder doch das Haarschneiden irgendwann einmal gelernt haben müsste, aufmerksame Leser haben in meinen anderen Beiträgen aber schon erfahren, dass  Themen wie Ausbildung, Weiterbildung und Training, wenn alles immer billiger werden soll, automatisch auf der Strecke bleiben!

Sicherlich gibt es tolle Schneideseminare, die bringen aber nicht wirklich etwas, wenn es dem Friseur an Grundfertigkeiten und dem Blick, dem Auge und dem Gefühl für Proportionen fehlt! Fachlich richtiges und sauberes, gerades Haarschneiden lässt sich mit unterschiedlichen Schneidesystemen eigentlich jedem irgendwie beibringen, die Feinheit, das Feeling und Gespür entwickelt man dann erst später, sozusagen „learning by doing“! Aber das Auge für Proportionen ist leider nicht jedem gegeben!

Aber warum werden im Langhaarbereich gerne  die Spitzenbereiche durch gestuft und ausgefranzt?

Am besten mit harten Kanten und  fetten Absätzen! Langhaarkunden im unteren Bereich das ganze Volumen genommen und heftige Unruhe in die Spitzen gehackt. Dann einen dicken Absatz zaubern, der immer noch sehr lange und somit schwere und platte Oberkopfbereich…was soll das? Einige Friseure nehmen das Wort stufig sehr wörtlich und sägen ihren Kunden dann wirklich mehrere absatzartige Stufen in´s Haar!?  Hier wird dem Kunden genau das bereitet, was eigentlich keiner gebrauchen kann, das grenzt an Körperverletzung!

Vielen Friseuren sind die einfachsten Begriffe fremd

Haarchitektur-Lüneburg-Blog

-konkav-konvex-Halte-Abhebe- oder Projektionswinkel, horizontal-vertikal-diagonal, Hutlinie, innerer- und -äußerer Bereich, uniforme- erweiterte Stufung, Graduierung und/oder was ein 45° oder gar ein 90° Winkel beim Haarschnitt bedeutet, ist viele rätselhafter als der heilige Gral ! Eine Grundlänge ist  auch was „chinesisches“ und gerne werden Facon´s mit Aufsatz rasiert und die Konturen stumpf abgestochen.

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Viele schnippeln einfach, planlos und leider somit auch ziellos vor sich hin, anders kann ich mir so manche Entgleisung nicht erklären, die ich bei vielen Kunden versuchen muss, wieder auszugleichen!

Es gibt viele tolle Techniken, von „Pivot-Point“, „Calligrafie“, „organisches Haareschneiden“ etc. auch wir haben eigene Haarschneidetechniken, „Liquid Move“ und „Liquid Modellage“, auch die bringen aber rein gar nichts, wenn man die eigentlichen und klassischen Haarschneidetechniken und Fertigkeiten nicht beherrscht!

Haarchitektur-Blog
Leider bleibt auch Kopf- und Gesichtsform konformes Haarschneiden und die passende Beratung, immer öfter auf der Strecke! Wie man eine Gesichtsform, die nicht unbedingt dem Schönheitsideal entspricht, ausgleichen kann!? Vielen ist dies ein unlösbares Rätsel! Zusätzlich wissen wir ja, das sich in unserem schönen Beruf und so manchem Geschäft, komplett ungelernte rumtreiben! Die können dann nur die Maschine schwingen! Aber die Frage vom tatsächlich gelernten Friseur… „Wie viele Millimeter“? Das scheint schon Standard zu sein!? Da rollen sich mir die Fußnägel auf!?
Warum stellen sich so viele „gute“ Friseure mit so manchen Pack auf eine Stufe und sägen den Haarschnitt nur mit Aufsatz?

Ich für mein Teil kriege regelmäßig  ne Macke, wenn mir Kunden ihren Schnittwunsch in Millimeter beschreiben!
Hier erkläre ich dann, dass das nicht sinnvoll ist und ich mit Maschine und Aufsatz, keinen vernünftigen Schnitt hin bekomme!
Alle Unebenheiten des Kopfes werden einfach nachgesägt, und proportionales Haarschneiden ohne Betonung der runden Kopfform ist nahezu unmöglich!

Wir Prüfer auf den Meisterprüfungen müssen immer wieder ohnmächtig mit ansehen, wie angehende Friseurmeister mit kaum vorhandenen Schneidefertigkeiten die „Meisterprüfung“ bestehen, obwohl sie beim Haareschneiden zum Teil vollkommen versagen! In dem sie einen miesen Haarschnitt mit einer Nagelpflege oder anderer nicht unbedingt „Friseur wichtiger“ Tätigkeiten ausgleichen können!

Das steht in keinem Verhältnis, aber in der Meisterprüfung gibt es keine Sperrfächer und jede schlampig hingesch… Arbeit (sechs) mit irgendeiner unwichtigen Nebendienstleistung ausgleichen!
Die wurde durch die Bundesregierung insofern weich gespült, damit eigentlich jeder Honk die Prüfung bestehen kann und sich damit dann noch ein paar schlechte Friseure selbstständig machen können, gibt ja nicht genug! Das passiert, wenn Menschen die von Beruf was auch immer sind (Politiker) und von einem Gewerk null Ahnung haben, in unser gutes altes Handwerksrecht einmischen! Nun wollen sie auch noch am Meistertitel drehen, damit es eben wieder noch einfacher wird, mies oder gar nicht auszubilden und unser Image noch weiter in den Keller zu verhelfen!

Und für unseren Beruf gibt es einen weiteren Grund, warum wir´s grad etwas schwer haben! Leidtragende sind nicht nur die Kunden, sondern  insbesondere die armen Azubis, die von eben diesen unqualifizierten Menschen, womöglich noch  mieser  ausgebildet werden. Und da wundert´s noch irgendwem, das so viele Friseure so schlecht verdienen?

Veröffentlicht von Christian Funk

Friseurmeister und Inhaber des Friseursalons Haarchitektur in Lüneburg. Dozent und Prüfer in der Meisterschule der Handwerkskammer Lüneburg (Braunschweig-Lüneburg-Stade). Fachautor, Social Media Experte und Fachtrainer für verschiedene Firmen der Beautybranche.

6 Kommentare

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Frank

Sehr schöner Beitrag, leider ist es tatsächlich nicht so leicht einen guten Friseur zu finden. Da hilft meistens nur ausprobieren und nicht nur nach möglichst billigen Angeboten zu schauen.

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M. Enz

Du bringst es auf den Punkt.
Ich schaue sehr auf Gesichtsform, Wirbel, Farbe ect. und habe oft zu kämpfen weil die Kunden davon noch nie was gehört haben ,oft sehr anstrengend!!!

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Sandra

Dieser Bericht ist Balsam für meine Seele.Ich war letzte Woche beim Friseur und hab mich immer noch nicht erholt.Meine knapp bis zu den Ellbeugen langen Naturlocken wollte ich gegen einen flotten gestuften Long Bob eintauschen.Was soll ich sagen,in Deiner Beschreibung mit den Haaren,die ausschauen als ob die Ratten dran genagt hätten hab ich mich nach dem Friseurbesuch angesprochen gefühlt.Für 55 Euro ohne jegliche Pflege und bei einem Salon,der damit wirbt,die Miss Germany Wahlen zu frisieren hatte ich gehofft auf der sicheren Seite zu sein.Die größte Wut hab ich aber auf mich selbst,da ich durch die Unfreundlichkeit der Friseurin so eingeschüchtert war,daß ich ohne mich zu beschweren bezahlt habe und nur noch raus wollte.Liebe Grüße

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Hermann Wiezorek

Hallo Sandra,
wie erkennt man einen guten Friseur? Was ist ein guter Friseur? Die Antwort der Allgemeinheit: Wenn die Kundin zufrieden ist! Genau hinter solchen Antworten verbergen sich die schlechten Friseure (schlechte Friseure = schlechte Haarschneider). Ein Friseur, der damit werben muss, dass er Misswahlen frisiert, kann nur schlecht sein. Wenn Du mit Deinen schönen naturgewellten Haaren einem Friseur etwas von „stufig“ im Longbob erzählst, dreht der doch durch und hat nur noch Stufen im Kopf.
Obwohl ich Deine Haare nicht kenne, wage eine Fernberatung: Haare sorgfältigst und perfekt auf eine Länge schneiden, stufig nur wenige Millimeter, wenn Du hier in der Haarchitektur das erklärst, wissen die, dass eine Graduierung in Deinem Haar stufig aussieht. Der Kern des Haarschnitts ist die Perfektion in der Ausführung, nicht die Idee – und daran erkennst Du einen guten Friseur.
Hermann Wiezorek
Der Betreiber dieser Seite wird aus Höflichkeit nicht so direkt schreiben.

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